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NATO-Rückzug aus Afghanistan gefordert

Proteste in London und Warschau / Taliban drohen mit Anschlägen zur Stichwahl

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Tausende Menschen haben am Wochenende in London und in Warschau gegen den NATO-Krieg am Hindukusch protestiert. Die Taliban drohten unterdessen, die Stichwahl in Afghanistan zu verhindern oder zumindest massiv zu stören.

London/Warschau/Kabul (Agenturen/ND). Nach Angaben der Veranstalter demonstrierten am Samstag in London rund 10 000 Menschen gegen den britischen Kriegseinsatz in Afghanistan. Großbritannien hat derzeit rund 9000 Soldaten am Hindukusch stationiert, die meisten davon in der südlichen Provinz Helmand. Bei dem Einsatz gegen die Taliban kamen seit 2001 insgesamt 222 britische Soldaten ums Leben. Premierminister Gordon Brown hatte Anfang des Monats die Entsendung von 500 zusätzlichen Soldaten angekündigt. Nach einer am Samstag veröffentlichten Umfrage glauben 48 Prozent der Briten, dass der Kampf gegen die Taliban nicht zu gewinnen sei. Im August 2007 waren es nur 36 Prozent. 62 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, die Truppen abzuziehen.

Auch in Warschau demonstrierten mehrere Hundert Menschen gegen den Afghanistan-Einsatz. Sie forderten den Rückzug der polnischen Truppen. Vor dem Parlament stellten sie als Symbol einen Sarg ab. Warschau beteiligt sich mit 2000 Soldaten an der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe (ISAF). Bislang starben 15 polnische Soldaten. Laut einer Umfrage vom September sind 81 Prozent der Bevölkerung für einen Rückzug ihrer Soldaten aus Afghanistan.

Bei einem Bombenanschlag in der südlichen Unruheregion kam laut ISAF-Angaben am Wochenende ein USA-Soldat ums Leben. Nach Angaben des Internetdienstes icasualties.org sind seit Jahresbeginn insgesamt über 420 ausländische Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen, die meisten davon US-Amerikaner. Bereits jetzt ist 2009 damit das verlustreichste Jahr für die internationalen Truppen seit Kriegsbeginn.

Nach dem Tod von afghanischen Zivilisten an einem Kontrollpunkt des Militärs im Süden des Landes hat die ISAF am Sonntag eine Untersuchung des Vorfalls angeordnet. Nach ersten Erkenntnissen hätten NATO-Soldaten aus Angst vor einem Anschlag am Vortag in der Provinz Kandahar auf ein Auto geschossen. Dabei seien vier Menschen getötet worden, darunter zwei Kinder und eine Frau. Die ISAF bedauerte den Vorfall.

In Kabul räumte derweil Staatschef Hamid Karsai in einem Gespräch mit dem US-Sender CNN ein, von der internationalen Gemeinschaft dazu gedrängt worden zu sein, eine zweite Runde der Präsidentschaftswahl zu akzeptieren. Es habe »freundliche Bemühungen einiger Regierungen« gegeben, sich einer Stichwahl mit seinem Herausforderer Abdullah Abdullah zu stellen. Das sei jedoch nicht der Grund gewesen, warum er dem für den 7. November angesetzten Votum letztlich zugestimmt habe. Ihm sei es um die »Sicherheit des afghanischen Volks« und die »demokratischen Traditionen in Afghanistan« gegangen. Nach der wegen flächendeckenden Wahlbetrugs umstrittenen ersten Runde der Präsidentenwahl hat am Samstag die Kampagne für die Stichwahl begonnen. Der frühere Außenminister Abdullah schloss gegenüber CNN eine Regierungsbeteiligung nach einem möglichen Sieg von Karsai aus.

Derweil drohten die Taliban, die Stichwahl zu verhindern oder zumindest massiv zu stören. In einer am Wochenende veröffentlichten Erklärung riefen die radikalen Islamisten wie vor dem ersten Durchgang zu einem Boykott der Abstimmung auf und forderten die Bevölkerung darin auf, am Wahltag Anschläge gegen »feindliche Stützpunkte« zu verüben, Menschen von der Wahl abzuhalten und sämtliche Straßen zu blockieren. Wer dennoch an dem Urnengang teilnehme und verletzt werde, sei für »seine Verluste« selbst verantwortlich. Die Stammesführer der 34 afghanischen Provinzen beschlossen bei einem Treffen am Samstag in Kabul, ihre Mitglieder trotz der Gefahrenlage zur Teilnahme an der Wahl aufzurufen. In der ersten Runde hatte die Wahlbeteiligung noch nicht einmal bei 40 Prozent gelegen.

Kommentar S 4

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