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Weißes Haus warnt vor Panik

US-Präsident ruft zur Bekämpfung der Schweinegrippe Notstand aus

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.
Kliniken und Gesundheitszentren können unter dem Notstand bürokratische Hürden beiseite schieben. Dennoch bleibt die Sorge bei den Amerikanern: Gibt es überhaupt genug Impfstoff gegen den H1N1-Erreger?

Anglo Tufano ist wütend. Vier Stunden hatte er mit seinem kleinen Bruder in einer endlosen Menschenschlange angestanden, um für den 14-jährigen Asthmakranken eine Impfung gegen die Schweinegrippe zu bekommen. 7000 Personen waren in der provisorischen Impfstation in einer Schule der Chicagoer North Side geimpft worden. Als die Tufano-Brüder dran waren, war kein Impfstoff mehr da.

»Das ist nicht fair«, schimpfte der 22-Jährige. Schließlich leide sein Bruder an Asthma. »Und alle Menschen, die gestorben sind, hatten eine Vorerkrankung.« Diese Angst der Tufanos und vieler anderer Amerikaner haben Präsident Barack Obama veranlasst, am vergangenen Samstag den öffentlichen Gesundheitsnotstand auszurufen, um gegen den H1N1-Virus – im Volksmund Schweinegrippe genannt – besser vorgehen zu können.

Diese Art der Grippe tritt bisher in 46 der 50 US-Bundesstaaten auf. Sie hat 1000 Amerikaner getötet, darunter 100 Kinder. Sie war, zusammen mit anderen Faktoren, ursächlich für den Tod weiterer 2400 Menschen in den USA. 20 000 Erkrankte mussten seit dem ersten Auftreten dieser Infektion im April in eine Klinik eingeliefert werden.

Der Gesundheitsnotstand solle den Krankenhäusern mehr Flexibilität geben, hieß es im Weißen Haus. Etwa, um Not-Kliniken in Gemeindezentren einzurichten und auch die Impfung jener sicherzustellen, die nicht bezahlen können. Obamas Sprecher Reid Cherlin warnte gleichzeitig davor, wegen des Notstands in Panik zu verfallen. »Das ist keine Reaktion auf irgendwelche neuen Entwicklungen«, sagte Cherlin. Es gehe nur um ein flexibles Instrument zur Bekämpfung des Virus. Regionale Gesundheitssysteme könnten jetzt besser reagieren.

Besorgte Amerikaner, besonders Eltern mit kleinen Kindern, drängen sich derzeit in Notaufnahmen der Krankenhäuser und anderen Einrichtungen, um eine Impfung zu bekommen. In Tennessee und Texas haben Kliniken Zelte vor ihren Gebäuden errichtet, um dort behelfsmäßige Diagnosezentren einzurichten. Ohne Obamas Entscheidung für den Gesundheitsnotstand durften sie nur untersuchen, nicht aber behandeln. Das ist jetzt anders.

Die Notstandserklärung hat auch eine politische Seite. In den vergangenen Wochen war in den Medien die Sorge laut geworden, es könnte nicht genügend Impfstoff vorhanden sein. Vor kurzem hat die US-Regierung rund 16 Millionen Dosen Impfstoff gegen H1N1 freigegeben. Weitere 30 Millionen sollen in der kommenden oder übernächsten Woche folgen. Bundesbeamte hatten vor einiger Zeit die Schätzung verbreitet, man werde etwa 40 Millionen Einzeldosen an Impfstoff bereithalten.

In seinem Präsidentschaftswahlkampf hatte Barack Obama zugesichert, dass das Notfallmanagement in die Hände der Bundesregierung gelegt werde. Er hatte seinem Vorgänger Bush vorgeworfen, in Extremsituationen zu zögerlich beim Eingreifen der Bundesregierung gewesen zu sein, etwa beim Hurrikan Katrina in New Orleans. Dennoch bleibt, dass auch die US-Regierung Impfstoff nicht schneller produzieren oder bereit stellen kann. Die Bevölkerung scheint Obamas Vorgehen jedoch zu akzeptieren. Rund 70 Prozent der Amerikaner befanden laut Umfragen von »Washington Post« und ABC, dass die Regierung effektiv vorgehe.

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