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Problemrotten durchwühlen Berlins Vorgärten

Wildschweine vermehren sich dank illegaler Fütterung und mildem Klima / NABU fordert klare Regeln

  • Von Andrea Barthélémy, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Sie stecken ihre Rüssel in Beete und Komposthaufen, durchpflügen Moore und naturgeschützte Sumpfgebiete. Zurück bleibt meist nur ein Haufen durchwühlter Erde. Seit einigen Jahren schon sind Wildschweine in der Hauptstadt auf dem Vormarsch, rund 400 Verkehrsunfälle verursachten sie im vergangenen Jahr. Dieser bundesweite Trend ist in Berlin besonders ausgeprägt. Der NABU mahnt nun eindringlich, illegale Fütterungen strenger zu ahnden und vor allem die Jagd auf sogenannte Problemrotten auszuweiten.

»Wir wollen Position beziehen, weil viele glauben, dass der NABU die Tiere ausdrücklich schützt«, sagt Rainer Altenkamp vom NABU- Landesverband Berlin. Schätzungsweise 5000 bis 6000 Tiere leben derzeit im Land Berlin, Tendenz steigend. Allgemeine Gründe dafür: Immer mehr Mais wird angebaut, und auch die Klimaerwärmung lässt die Frischlinge wohlgenährt überleben. Als Berliner Besonderheit kommt das ganzjährige Nahrungsangebot hinzu – mit der Folge, dass die Wildschweine mittlerweile sogar zweimal jährlich Junge bekommen. »So viele Tiere kann man gar nicht abschießen. Und das wollen wir auch nicht«, sagt Altenkamp. Vielmehr gelte es, sich dauerhaft mit den Tieren zu arrangieren.

Auch die Berliner Forsten sehen das Problem. »Wir stimmen dem NABU im Wesentlichen zu«, sagt ihr Sprecher Mark Framusch. »Das Problem ist in Berlin zum Teil auch hausgemacht«, sagt Altenkamp. So müsse jegliches Füttern von Wildtieren vermieden werden. Unterschiedlich bewerten NABU und Forsten vor allem den Einsatz der Stadtjäger. Sie sind den Berliner Forsten unterstellt und werden beauftragt, wenn im bewohnten Stadtgebiet Wildschweine Probleme machen.

Klar ist, dass auch der Berliner seinen Teil zum Wildschwein-Run auf die Hauptstadt beiträgt: »Bei einem Beschwerdeanruf von einem Grundstücksbesitzer am Waldrand können wir fast davon ausgehen, dass der Nachbar die Tiere füttert«, sagt Framusch. Es sei immer noch üblich, Gartenabfälle einfach hinter den Zaun zu kippen. »Da muss sich niemand wundern.« Noch ärgerlicher ist aber der Fall, wenn aus vermeintlicher Tierliebe Berliner in den Wald fahren und dort in großem Ausmaß füttern. »Am nächsten Tag werden dann ahnungslose Spaziergänger von den distanzlosen Tieren bedrängt, die daran gewohnt sind, Futter zu kriegen.« Meist gebe es dann keine andere Lösung, als die gesamte Wildschweinrotte zu erschießen.

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