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Gezielt Firmenwagen in Brand gesetzt

Vermutlich Autonome zündeten sechs Fahrzeuge des Bahnkonzerns und eines Rüstungsunternehmens an

Abgefackelte Wagen in der Tiefgarage am Ostbahnhof
Abgefackelte Wagen in der Tiefgarage am Ostbahnhof

Zufällig auf einer Routinestreifenfahrt entdeckten Polizeibeamte in der Nacht zum Montag aufsteigenden Rauch aus der Tiefgarage am Berliner Ostbahnhof – sie verständigten die Feuerwehr. Die löschte wenig später zwei direkt in Brand gesetzte Fahrzeuge der Deutschen Bahn (DB) sowie zwei danebenstehende Pkw des Konzerns.

»Wir haben eine Stunde gebraucht, um den Einsatz zu beenden«, berichtet Feuerwehrsprecher Wolfgang Rowenhagen. Obwohl ein Feuer grundsätzlich gefährlich sei, komme bei Autobränden hinzu, dass insbesondere die Rauchgase extrem giftig sind, sagt er. Der schmierige Ruß, der bei der Verbrennung von Gummi entsteht, hinterlässt zudem Beschädigungen auf Gebäudeteilen. Weil sich am Ostbahnhof viele Obdachlose aufhalten, hätten die Täter überdies nicht wissen können, ob diese Menschen nicht eventuell in der Tiefgarage des Nachts schlafen, meint Rowenhagen.

Doch die Brandstiftungen am Ostbahnhof waren nicht die Einzigen in der Nacht zum Montag: Zur selben Zeit wie am Ostbahnhof hatten Anwohner in Schöneberg Feuer an einem Ford Transit der Deutschen Bahn bemerkt. Eine Stunde später, um 2.15 Uhr, ging ein Firmenfahrzeug einer Rüstungsfirma in Tiergarten in Flammen auf.

Das gezielt Fahrzeuge des Bahnkonzerns und von Rüstungsfirmen angegriffen werden, deutet auf linksradikale Urheber hin. In der Vergangenheit hatten sich autonome Gruppen des Öfteren zu Anschlägen auf die Deutsche Bahn bekannt. Sie werfen dem Konzern vor, die Castortransporte von Atommüll durchzuführen. Auch Firmen, die Geschäfte mit der Bundeswehr machen oder logistisch an Kriegsunternehmungen beteiligt sind, waren häufiger Ziel linksradikaler Attacken.

Bekennerschreiben von solchen Gruppen wurden gestern indes nicht bekannt. Insgesamt brannten allein in diesem Jahr 246 Fahrzeuge, von denen 182 direkt angezündet wurden, zählt ein Polizeisprecher gegenüber ND auf. Eine Nachrichtenagentur hatte jüngst berichtet, dass die Polizei davon ausgehe, dass rund zweidrittel der Taten politisch motiviert zuzuordnen sind. Da die Zündeleien extrem einfach auszuführen sind, tappen die Ermittler weiter im Dunkeln. Weder verstärkte Streifentätigkeiten noch präparierte Autos mit Videofallen führten bisher zu Ermittlungserfolgen. »Die Berliner Polizei versucht alles, was möglich und nötig ist, um die Brandstifter der Fahrzeuge festzunehmen«, betont der Polizeisprecher.

Nachdem in der vergangenen Woche zwei mutmaßliche Autozündler aus der linken Szene freigelassen worden waren, geraten Ermittler und Staatsanwaltschaft jedoch weiter unter Druck. Auch dem Innsenator machen die Ermittlungspannen und die vermutlich mit Freispruch endenden Prozesse zu schaffen. Zwar will sich Ehrhart Körting (SPD) zu den schwebenden Verfahren nicht äußern – genauso wenig wie zu den getroffenen polizeilichen Maßnahmen. Doch im Innenausschuss am 9. November dürften die Brandstiftungen erneut ein wichtiges Thema sein.

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