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Kein Platz fürs Unangepasste

Wagenburgler erwarten keine Liebe, aber Toleranz

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In Berlin berichteten am Wochenende Menschen aus verschiedenen deutschen Städten von den Möglichkeiten und Problemen ihrer Wagenplätze. Alle teilen die Erfahrung: es wird überall eng.
Suche nach einem Platz zum Leben Foto groß: Tim Zülch; klein: Schwarzer Kanal
Suche nach einem Platz zum Leben Foto groß: Tim Zülch; klein: Schwarzer Kanal

Sie hatten reflektierende Rettungsdecken in lamettaähnliche Streifen geschnitten, sich rosarote Aufnäher an die dunklen Jacken gepinnt und kraftvolle Slogans einstudiert. Auf den diversen Demonstrationen, die aus Anlass der Wagentage dieses Wochenende in Berlin stattfanden, sorgten die »Radical Queerleaders« für einiges Puschel-Geraschel. Auch sonst sind Demonstrationen der Wagenplatzszene eher bunt: Pinkfabene Regenschirme mit Aufschriften wie »Schwarzer Kanal bleibt«, alten Diesel-Mercedes mit waghalsigen Holzaufbauten und ordentlich wummernde Musik-Bässe.

Wagentage finden seit 1992 mehrmals im Jahr statt und dienen dem Austausch der Wagenburgszene. Bundesweit gibt es rund 160 Wagenplätze, in Berlin immerhin zwölf. Allerdings kennt das deutsche Baurecht offiziell keine Wagenplätze und so müssen die BewohnerInnen immer wieder um den Erhalt ihrer Plätze fürchten und kämpfen. Eine politische Duldung ist in der Regel das höchste der Gefühle. Das Oberverwaltungsgericht Berlin sprach dementsprechend auch 2003 im Bezug auf den Wagenplatz »Schwarzer Kanal« in Berlin von einem »städtebaulichen Missstand«. Ein Nachbar des Platzes hatte geklagt, weil er für sein Grundstück eine Wertminderung befürchtete.

Im Fokus der Wagentage stand dann auch die Unterstützung des »Schwarzen Kanal« an der Michaelkirchbrücke. Bis Ende des Jahres soll der Platz am Spreeufer geräumt werden, weil der Baukonzern Hochtief dort eine Baustellenzufahrt errichten will (ND berichtete). Die Wagentage wurden am Freitagnachmittag kurzfristig auf ein über das Wochenende besetztes Grundstück in der Kreuzberger Adalbertstraße verlegt.

Vor allem auf dem »Städteplenum« am Freitag tauschten die aus der gesamten Republik angereisten Wagenburgler ihre Erfahrungen aus. Dabei geht es vor allem um Neuigkeiten aus anderen Städten, aber auch um praktische Hilfe. Jens ist extra aus Hamburg gekommen. Er ist Ingenieur und hilft gerne bei so mancher Panne. In Hamburg gibt es von den einstmals 15 Plätzen nur noch sieben, erzählt er. Seit zwei Jahren gebe es auch keine Besetzungen mehr. Insgesamt zeigt sich auch für die Wagenszene, was für die Häuserszene – zumindest in Berlin – schon lange gilt: Die Chancen, einen besetzten Platz zu halten, sind sehr gering. Die meisten Plätze sind mittlerweile legal gepachtet oder gemietet. Jens' Neun-Meter-Bauwagen steht in Hamburg hingegen einfach am Straßenrand.

Dass Wagenburgler bei BürgerInnen teilweise nicht gut angesehen sind, ist auch Clara, die dreieinhalb Jahre auf dem Wagenplatz »Schwarzer Kanal« lebte, klar. »Manche denken, wir seien dreckig«, gibt sie zu. Aber sie wehrt sich entschieden gegen solche Vorwürfe: »Vielleicht sieht vieles bei uns nicht sauber aus, aber wir achten sehr auf Hygiene.« Außerdem würden sie ja nicht erwarten, dass sie von allen gemocht werden. Es ginge nur um Toleranz. »Die Leute sollten zulassen, dass andere Leute so leben, wie sie wollen.« Für Jens aus Hamburg ist das Leben im Wagen »einfach nur Luxus«. Seit acht Jahren wohnt er darin und er möchte nicht anders leben.

Aber bei einem Projekt wie dem »Schwarzen Kanal« geht es nicht nur um Selbstverwirklichung. »Uns ist wichtig, dass es Kunst und Kultur umsonst oder zu günstigen Preisen gibt«, sagt Clara. Auf dem »Schwarzen Kanal« finden regelmäßig Konzerte statt, es gibt Filmabende und eine offene Fahrradwerkstatt. »Hätten wir den ganzen Stress mit der Kündigung nicht, dann könnten wir noch viel mehr machen«, so Clara.

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