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Hebbel am Ufer

Vom No Go Area zum In-Viertel

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»Ist der Wrangelkiez die Banlieue von Berlin?« So lautete eine der Schlagzeilen der Boulevardmedien im November 2006. Zuvor war es zu einer Auseinandersetzung zwischen Anwohnern des Kreuzberger Kiezes und der Polizei gekommen, nachdem Beamte zwei Jugendliche festnehmen wollten.

Diese Szene steht auch am Beginn von Tim Staffels Theaterstück »Man braucht keinen Reiseführer für ein Dorf, das man sieht«, das am HAU 2 zu sehen ist. In Vorbereitung des Stückes wurden mehrere Wochen lang Anwohner und Gewerbetreibende sowie BezirkspolitikerInnen befragt.

Doch Ghettostyle wird in dem Stück nicht verbreitet. Im Gegenteil: Dort ist auch der Wrangelkiez längst auf dem Weg vom »medial beschworenen No Go Area zum In-Viertel«. So steht es zumindest im Programmheft.

In dem Stück wird gezeigt, wie sich diese viel beschworene Gentrifizierung im Alltag einer fünfköpfigen Familie mit migrantischem Hintergrund auswirkt. Alle ihre Mitglieder sind gezwungen, sich zu verkaufen, auch wenn sie es selber nicht wahrhaben wollen. Besonders deutlich wird das bei dem von Murat Seven gespielten jüngeren Sohn Hakan, der in Sprache und Gestik den Kiez-Macho raushängen lässt, während er seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf von Schwulen-Pornos bestreitet. Seine Schwester Feride, sehr gut von Claudia Wiedemeier dargestellt, gibt sich in der Rolle als die selbstbewusste junge Frau, die bei ihrem Job am Empfang eines Fitnessstudios ihr Kopftuch absetzt. »Nicht weil mein Chef es mir befohlen hat, sondern weil ich es will«, wie sie betont. Für den Heimweg verhüllt sie hingegen ihr Haar, weil sie nicht von Männern angesprochen werden will. Am Ende entblößen sich die Familienmitglieder im wahrsten Sinne des Wortes, als sie einen Umzug darstellen sollen. Dieser Moment ist eine der gelungenen Szenen.

Enttäuschend klischeehaft geraten in dem Stück die türkischen Eltern. Die von Melek Erenay gespielte Mutter sitzt stets nur mit steifen Knien und gefrorenem Lächeln auf dem Sofa und gibt ihrem Vermieter ahnungslos die Unterschrift für die mit einer saftigen Mieterhöhung verbundene Modernisierung, durch die sie schließlich aus der Wohnung vertrieben wird. Dort wird dann der ältere Sohn Mesut, gespielt von Philipp Denzel, seine erste türkische Sushi-Bar eröffnen. Vater Mahmut ist bis dahin jedoch schon wieder in die Türkei abgeschoben, nachdem er wegen Geschäften mit Drogen und Prostitution verurteilt wurde.

»Bei uns verkaufen sich nicht alle so billig wie in ihrem Stück«, kritisierte ein Anwohner bei einer Publikumsdiskussion. Schließlich würden sich im Wrangelkiez die Bewohner, darunter gerade auch viele mit türkischem Migrationshintergrund, gegen Luxussanierung und Vertreibung wehren. Doch davon ist im Stück nicht die Rede.

Wieder am 12.11., 19 Uhr, Hau 2, Hallesches Ufer 32, Info und Kartenvorbestellung im Internet auf: www.hebbel-am-ufer.de/ sowie telefonisch: 25 90 04 27

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