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Geschichte

Gesagt ist gesagt ...

Was passiert, wenn ein Viertel, ein Drittel der Menschen keine Chancen mehr hat? Ist die Demokratie die Wahrheit der Politik, oder ist es in Wirklichkeit der Ausnahmezustand der Gewalt, des brutalen Machtkampfes? FRANK CASTORF (Süddeutsche Zeitung)

Heiner Müller nannte die DDR ein »zwischen die wahren Geschehnisse geschobenes Ideendrama«, Günter Gaus sprach von der »Pause« zwischen den Abschlachtungen als dem einzig erreichbaren Frieden, Jan Philipp Reemtsma nennt das Gute, Humane eine »stets nur kurzfristige Sonderlösung« im Krieg der Interessen. Folgt man diesen Urteilen mit der Bereitschaft zur Konsequenz, dann folgt die Geschichte in ihrem Kern einer gewaltsamen Achse, auf der das Subjekt hauptsächlich im Überwältigungstriumph zu sich kommt.

Kein angenehmer Befund über handelnde Menschheit. Die Erfahrung aus gesammelten Jahrhunderten nährt diese Diagnose, von daher vielleicht die berauschende Notwehr: das utopische Menschenbild von Freundlichkeit und Wohlfahrt, immer wieder in die Welt geworfen als seelisch notwendiges Gegenbild.

Also: der Sozialismus nur ein ungelenkes alternatives Einsprengsel, und auch die Demokratie, weit weniger ungelenk, ein Aufschub bloß? Beides eine besänftigende Abirrung, kein Endziel? Immer wieder sei, was mühselig erneuert wird, eine Illusion? Nämlich: Der Mensch habe sich in der Gewalt – wo seine Regel doch aber bleibt, in der Gewalt zu sein.

Kaum ermutigend, diese Gewichteverteilung in einer Geschichtsauffassung. Aber wo wurde ausgemacht, festgeschrieben, alles würde gut enden, was wir zu Gesellschaften formen? Erneut Heiner Müller: Nach wie vor schreibe Shakespeare unsere Stücke. Dessen Komödien meinte er gewiss nicht. Theaterregisseur Castorf stellt eine bedrohliche Frage. Wen angesichts dessen die Angst packt, der scheint noch nicht verloren, und vielleicht produziert Angst jetzt, und künftig noch mehr, die tollkühnsten Kräfte – für jene unablässig schönen, unsterblichen Lügen von einem unaufhaltsamen menschlichen Fortschritt ... hds

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