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Schachprofi als legitimer Berufswunsch

ND-Schachgala: Herausforderin Anna Scharewitsch im Gespräch

Dreimal hat die Schachgroßmeisterin ANNA SCHAREWITSCH schon die Frauenmeisterschaft in ihrer Heimat Belarus gewonnen: Nun möchte die 23-Jährige auch bei der ND-Schachgala vorne mitmischen. Vor dem Turnier am kommenden Donnerstag sprach mit ihr ND-Autor RENÉ GRALLA.
Bei der ND-Gala am Brett: Anna Scharewitsch
Bei der ND-Gala am Brett: Anna Scharewitsch

ND: Sie entstammen einer schachverrückten Familie. Das Spiel haben Sie von Ihrem Vater gelernt. Trainieren Sie noch immer mit ihm?
Scharewitsch: Ja, alle bei uns zuhause lieben Schach. Mein Vater ist bis heute mein Coach. Er kennt wie kein zweiter alle kritischen Augenblicke während einer Partie, und gleichzeitig ist er vertraut mit meinem persönlichen Stil.

Haben Ihre beiden Brüder am Brett eine Chance gegen Sie?
Sie sind etwas schwächer als ich, aber nicht schlecht.

Viele junge Spitzensportlerinnen im Schach kommen aus osteuropäischen Nationen, so wie Sie aus Belarus und Anna Musitschuk aus der Ukraine. Können Sie uns das erklären?
Die Länder der ehemaligen Sowjetunion haben ausgezeichnete Schachschulen aufgebaut. Außerdem sind unsere Trainer konsequent und dulden keine Halbherzigkeit. Die Frauen hier haben stets ein klares sportliches Ziel vor Augen – sie wollen gewinnen! Die Mädchen in Westeuropa sind eher auf einen gut bezahlten Job fixiert.

Warum interessieren sich viele junge Frauen ausgerechnet für Schach?
Erfolge im Sport – und dazu zählen wir nun mal ohne Einschränkung auch Schach – bringen Respekt ein, und Medaillengewinne sind einfach super. Der Sport gilt als legitime Berufswahl, selbst wenn die Bezahlung leider nicht immer gut ist. Das ist eine grundsätzlich andere Haltung, sich sportlichen Herausforderungen zu stellen. Du musst wirklich hart arbeiten, um im Sport etwas zu erreichen.

Mädchen träumen also nicht von einer Karriere als Model oder Popstar, sondern davon, Großmeisterin zu werden?
Natürlich haben die Teenies bei uns ähnliche Träume wie überall auf der Welt: Ruhm, Erfolg und als Star gefeiert werden. Die Fantasien von großer Prominenz und viel Geld sind natürlich bequemer. Trotzdem ist auch Schach eine echte Option. Allerdings ist es sinnvoll, nicht nur auf Schach zu setzen, sondern sich gleichzeitig auch andere Möglichkeiten offen zu halten – für den Fall, dass man irgendwann feststellt, sportlich an die Grenzen zu stoßen.

Sind Sie ausschließlich Schachprofi? Oder basteln Sie parallel an einer Ausbildung?
Ich stehe kurz vor meinem Diplom als Sportlehrerin.

Mit Blick auf die bevorstehende ND-Damenschachgala: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Du musst immer versuchen, dein Bestes zu geben.

Favoritin ist Anna Musitschuk. Können Sie die Vorjahressiegerin schlagen?
Nichts ist unmöglich.

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