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Riestern schwächt die Konjunktur

IMK: Kapitalgedeckte Alterssicherung schadet der Wirtschaft und belastet Beitragszahler deutlich

An die Sicherheit der gesetzlichen Rente glauben viele Deutsche schon lange nicht mehr. Dass aber die kapitalgedeckte Riester-Rente eine riskante und für die Gesamtwirtschaft zudem noch schädliche Alternative ist, hat das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) jetzt in einer Modellstudie herausgefunden.

Heftige Kritik erntet die Riester-Rente bereits, seit sie um die Jahrtausendwende im Zuge der rot-grünen Rentenreformen eingeführt wurde. Erstmals jedoch hat das IMK mit einer Modellrechnung nachgewiesen, dass sie negative Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft hat. Der Grund dafür ist ein ganz einfacher: Die Deutschen sparen zu viel. So landet ein großer Teil der Einkommen in Fonds oder auf Sparkonten, anstatt ausgegeben zu werden und damit den Binnenkonsum zu unterstützen.

Laut Gustav Horn, Direktor des IMK, stieg die Sparquote der Privathaushalte seit 2001 um rund 2,2 Prozent, nachdem sie seit der Wiedervereinigung stetig gesunken war. Rund die Hälfte des Anstiegs geht auf die Einführung der Riester-Rente zurück. Infolgedessen schwächte sich der private Konsum um 1,5 Prozent ab. Das blieb für die Ökonomie nicht folgenlos: Nach Angaben des IMK sank die Wirtschaftsleistung zwischen 2001 und 2007 um fast einen Prozentpunkt, das Beschäftigungsniveau zudem um 0,5 Prozentpunkte.

Horn folgert daraus, dass die von Rot-Grün eingeschlagene und von der Großen Koalition vorangetriebene Strategie der privaten Zusatzabsicherung der falsche Weg ist. Sie könne die demografischen Belastungen der alternden Gesellschaft nicht kompensieren.

Zudem seien die Lasten der Riester-Rente ungleich verteilt. Zwar soll der Gesamtbeitrag zur Gesetzlichen Rentenversicherung bis 2030 auf maximal 22 Prozent steigen, das wäre wegen der solidarischen Finanzierung ein Arbeitnehmeranteil von 11 Prozent. Zusätzlich anfallende Kosten für die staatlich geförderte private Altersvorsorge würden von den Arbeitnehmern allein finanziert. Bei einem Riesterbeitrag von vier Prozent müssten bis zu 15 Prozent des Bruttoeinkommens für die Altersvorsorge aufgewendet werden. Ohne Rentenreform würde der Gesamtbeitrag bis 2030 auf rund 26 Prozent steigen – ein Arbeitnehmeranteil von »nur« 13 Prozent.

Und nicht nur, dass die Riester-Rente für die Beitragszahler Nachteile bringt und schlecht für die Binnenkonjunktur ist – sie ist auch die riskantere Form der Vorsorge. Die Finanzkrise und hunderttausende Not leidende Rentner in den USA zeigten deutlich, welche Gefahren in überzogenen Renditeerwartungen lauerten, so Horn.

Diese Ergebnisse lassen für Horn deshalb nur einen Schluss zu: Das Umlageverfahren müsse gestärkt, die Riester-Rente dürfe nicht ausgebaut werden. Wichtigste Grundlage dafür: »Jeder sollte in die Gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen.« Und Bedarf für ein funktionierendes Rentensystem besteht weiter: Laut einer aktuellen Umfrage der »Apotheken Umschau« befürchtet rund ein Drittel der Deutschen, dass ihre Rente nicht ausreichen wird.

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