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Schwarzer Ruß aus weißen Traumschiffen

NABU sucht Lösungen für Schiffsemissionen

  • Von Folke Havekost, Hamburg
  • Lesedauer: 2 Min.
Die vermeintlich weißen Kreuzfahrt-Traumschiffe blasen in Wahrheit Tonnen an Rußpartikeln in die Atmosphäre. Darauf weist die Umweltschutzorganisation NABU hin.

»Nach unserer Einschätzung soll das Thema klein gehalten werden, um das weiße Traumschiffimage nicht zu gefährden«, so Dietmar Oeliger, Verkehrsexperte des Naturschutzbundes (NABU). Dieser hatte am Rand der »Climate City Conference« mit der Bürgerschaftsfraktion der Grünen zur Diskussion über die Umweltverträglichkeit der Ozeanriesen geladen. Im Mittelpunkt standen die Liegezeiten: Denn auch wenn ein Schiff wie die Queen Mary sich nicht bewegt, verbraucht es die Energiemenge einer 200 000-Einwohner-Stadt. Erzeugt wird sie durch das Verbrennen von Schweröl, das Rußpartikel freisetzt.

Das ist nicht nur für Hafenanwohner beschwerlich, sondern trägt in der Arktis auch erheblich zum Klimawandel bei. Verrußtes Eis absorbiert Sonnenstrahlen und erwärmt sich wesentlich schneller. Studien zufolge sind abgelagerte Rußpartikel für etwa die Hälfte der 1,9-Grad-Erwärmung der Arktis seit 1890 verantwortlich.

Jenny Weggen, umweltpolitische Sprecherin der grünen Bürgerschaftsfraktion, forderte deshalb, den Hafenversorgungsbetrieb auf Strom vom Land umzustellen, wie es in Rotterdam geplant ist. Bei den Schiffsbetreibern herrschte jedoch Skepsis vor. »Landstrom ist ein Placebo«, so Max Johns, Sprecher des Verbands Deutscher Reeder: Auch die Umstellung auf Gasbetrieb blieb umstritten. 65 Prozent der weltweiten Kreuzfahrtflotte vor 2000 gebaut worden und damit nur schwer auf Gas umrüstbar. Bei einer durchschnittlichen Betriebsdauer von über 30 Jahren bliebe der Altbestand noch lange ein Problem. Johns plädierte für »höherwertige, sauberere Kraftstoffe, die ohne Umrüstung auf allen Schiffen einsetzbar sind«.

Er verwies zudem darauf, dass in den europäischen Häfen bereits ab 2010 kein schwefelhaltiger Treibstoff mehr verbrannt werde. »Verglichen mit den Auflagen für Transportmittel an Land gelten für Schiffe immer noch die hundertfachen Emissionswerte«, widersprach aber NABU-Vizechef Alexander Porschke.

Stefan Woltering, stellvertretender Geschäftsführer der Bremer »greenports«-Häfen, setzte sich für einen »Environmental Ship Index« (ESI) ein sowie für Hafengebühren, die umweltfreundliche Betriebsweisen von Schiffen belohnen. Nach Reinhild Kutzinski von der Hamburger Umweltbehörde befindet sich ein solches System für die Elbstadt »in der Bearbeitung«.

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