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Buschehr – eine unendliche Geschichte

Die Fertigstellung des iranischen Kernkraftwerks durch Russland verzögert sich weiter

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es wird nichts mit der noch vor Jahresende geplanten Inbetriebnahme des Kernkraftwerks, das Russland bei Buschehr in Iran baut.

Experten horchten auf. Zum einen, weil Energieminister Sergej Schmatko die Hiobsbotschaft persönlich verkündete. Zum anderen hatte noch im Oktober ein Vertreter von Generalauftragnehmer Rosatom der amtlichen Nachrichtenagentur ITAR-Tass versichert, das Kraftwerk werde wie geplant ans Netz gehen. Nun ist von 2010 die Rede. Einen konkreten Termin aber konnten oder wollten der Minister und dessen Sprecherin Irina Jessipowa nicht nennen.

Es ist nicht die erste Verzögerung und Buschehr die iranische Variante der unendlichen Geschichte. Deutsche Firmen hatten den Bau bereits 1975 begonnen, zogen sich nach der islamischen Revolution 1979 jedoch zurück. Mitte der Neunziger übernahm Russland, das die Anlage ursprünglich bereits 1999 fertigstellen wollte. Das Ziel wurde um Längen verfehlt und das hat nicht allein mit technischen Problemen zu tun, mit denen auch die neuerliche Verzögerung begründet wurde. Es geht vielmehr um eine politische Intrige mit mehreren Ebenen.

Selbst bei tatsächlichen technischen Problemen würden sowohl Iran als auch der Westen versuchen, die Verzögerung politisch auszuschlachten, meint Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der außenpolitischen Zeitschrift »Russland in der globalen Politik«. Moskau, glaubt er, sei derzeit immensem politischem Druck aus Washington ausgesetzt.

In der Tat ging es bei der Begegnung zwischen Präsident Dmitri Medwedjew und seinem US-amerikanischen Amtskollegen Barack Obama am Wochenende in Singapur vor allem um Teherans umstrittenes Kernforschungsprogramm. Dabei soll der Amerikaner den Russen zur Eile gedrängt haben. Für Diplomatie, so zitierte ihn die halbamtliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti, bleibe nicht mehr viel Zeit. Denn aus Prestigegründen hatte Iran kurz zuvor einen Kompromissvorschlag Washingtons abgeschmettert: Das für die Brennelemente in den Reaktoren benötigte Uran wird in Iran schwach angereichert und geht dann zur Weiterverarbeitung nach Russland und Frankreich.

Zwar hatte Russland schon im September Bereitschaft signalisiert, sich den vom Westen geforderten schärferen UN-Sanktionen gegen Teheran anzuschließen, hoffte im Gegenzug aber auf weitere Zugeständnisse der USA bei dessen Raketenabwehrplänen in Zentraleuropa. Vor allem auf Details der neuen Konfiguration des Systems, das die USA nach 2015 installieren wollen. Doch bisher kam nichts aus Washington. Obwohl Russland das Folgeabkommen für den am 5. Dezember auslaufenden START-1-Vertrag zur Begrenzung strategischer Angriffswaffen nur unterzeichnen will, wenn dort auch die Abwehr geregelt wird. Die Verhandlungen haben sich momentan genau an diesem Punkt festgefahren.

Auch in Teheran weiß man um diese Zwänge. Dort, so Radschap Safarow, der Chef des Zentrums zum Studium des modernen Iran in Moskau, erkläre man sich die neuerliche Verzögerung bei der Inbetriebnahme von Buschehr, die für Irans Volkswirtschaft täglich mit Millionenverlusten zu Buche schlage, »mit beabsichtigter Abkühlung« der bilateralen Beziehungen. Darauf würde auch die Nichterfüllung des bereits vor Jahren unterzeichneten Abkommens zur Lieferung von S-300-Raketenwerfern hindeuten. Sie sind Russlands modernstes Luftabwehrsystem und allein in der Lage, israelische Bombenschläge, wie Teheran sie fürchtet, abzuwehren.

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