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Bei Pflegekosten fehlt Transparenz

Report der Gmünder Ersatzkasse dokumentiert Ost-West-Unterschiede

Die Deutschen altern gesünder – das war die gute Nachricht bei der Vorstellung des jährlichen Pflegereports der Gmünder Ersatzkasse (GEK) am Mittwoch in Berlin. Aufgedeckt wurden aber auch auffällige regionale Unterschiede bei den Kosten sowie in der fachärztlichen Versorgung in Pflegeheimen.

Die absolute Zahl der Pflegebedürftigen steigt weiterhin an, entsprechend dem Wachstum der Altersgruppe, meint der Bremer Wissenschaftler Heinz Rothgang, Autor des aktuellen GEK-Pflegereports. Aber es werden, relativ betrachtet, weniger Menschen pflegebedürftig: Für den Zeitraum von 2000 bis 2008 konnte ein Rückgang der altersspezifischen Neuzugänge in die Pflege um etwa 8 Prozent bei den Männern und etwa 25 Prozent bei den Frauen nachgewiesen werden. Die Pflegewahrscheinlichkeit bleibt aber weiter hoch: Jeder Zweite muss hier Leistungen in Anspruch nehmen. Von den 2008 verstorbenen GEK-Versicherten erhielten 42 Prozent der männlichen und 60 Prozent der weiblichen Personen diese Hilfen. Bezüglich des Schweregrades gebe es mehr Zugänge in die Pflegestufe I als in die Stufen II und III.

GEK-Vorstand Rolf-Ulrich Schlenker bemängelte bei der Vorstellung des Berichts den Wertverlust der Leistungen seit Einführung der Pflegeversicherung. Deren selbst gesteckte Ziele seien verfehlt. Während ursprünglich Zuzahlungen nur für Unterkunft und Verpflegung geplant waren, erstrecken diese sich immer mehr auf pflegerische Leistungen. Die von der Regierungskoalition geplante Ergänzung der Versicherung durch Kapitaldeckung lehnten die Pflegekassen ab.

Im regionalen Vergleich sind die unterschiedlichen Heim-Entgelte auffällig: Hier stellten die Forscher vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen ein starkes Ost-West-Gefälle fest. Dabei könne die Differenz zwischen einem Landkreis im Nordwesten und einem in Brandenburg bei 900 Euro pro Monat liegen – rätselhaft bei bundeseinheitlichen Pflegeversicherungsleistungen. Erklärungsansätze könnten die personell leicht besser gestellten Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen bieten, wo es zudem weniger private Anbieter gebe. Auch die Bezahlung ambulanter Leistungen variiere deutlich. Für das »Zubereiten einer warmen Mahlzeit« liegt die Preisspanne zwischen 7,39 Euro in NRW und 20,90 Euro in Baden-Württemberg. Die »große Morgentoilette« wird in Thüringen mit 15,75 Euro entgolten, in Hessen hingegen mit 32,16 Euro. Zu denken geben auch sehr unterschiedliche Heim-Kapazitäten und Auslastungen in Ost und West. In einem Band von Rheinland-Pfalz über Thüringen bis Sachsen sind deutlich weniger Heimplätze pro Einwohner vorhanden als etwa in Norddeutschland oder Bayern. Hingegen seien die Einrichtungen in vielen ostdeutschen Ländern teils schon überfüllt, während im Südwesten Überkapazitäten vermutet werden. Die Unterschiede ließen sich zum Teil aus der Abwanderung jüngerer Menschen erklären, wodurch in den neuen Bundesländern häufiger die familiären Pflegemöglichkeiten entfielen, vermutet der Gesundheitsökonom Rothgang. Es sei nötig, die Intransparenz im Pflegebereich zu beenden und über eine einheitliche Gebührenordnung nachzudenken.

Bei der ärztlichen Versorgung musste der Pflegereport ein Defizit zu Lasten der psychisch Erkrankten feststellen. Insbesondere im ländlichen Raum würden diese Menschen häufig nur von ihrem Hausarzt betreut, nicht aber von einem Facharzt und bekämen zudem signifikant mehr Psycholeptika und Antidepressiva verschrieben.

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