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Einmal Tempelhofsee mit Grillplatz

Rege Bürgerbeteiligung bei Planungen für Ex-Flughafen / 2017 Internationale Gartenausstellung

»Das Tempelhofer Feld bewegt die Bürgerinnen und Bürger«, sagt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Damit meint sie weder den frühsommerlichen Besetzungsversuch linker Aktivisten noch jene unverdrossenen Schließungsgegner, die die Hoffnung noch nicht sterben lassen wollen. Es geht vielmehr um die seit Monaten laufende Bürgerbefragung zur künftigen Gestaltung der Parkanlagen auf dem ehemaligen Flugfeld. Lüscher wertet sie wegen der regen Beteiligung als »Riesenerfolg«.

Internetdialog, per Zufallsprinzip an Haushalte verschickte Fragebögen, Diskussionsgruppen, um die bei solchen Aktionen meist unterrepräsentierten Menschen mit Migrationshintergrund adäquat einzubeziehen, weitere Fragebögen für die Besucher der beiden Oktoberwochenenden, an denen das Gelände erstmals öffentlich zugänglich war, über 6000 Bürger haben ihre Meinung kundgetan.

Die größte Bedeutung für Freizeit und Erholung messen die Kreuzberger Anlieger dem künftigen Park bei, die Tempelhofer halten ihn für nicht ganz so wichtig, die Neuköllner liegen mit ihrer Einschätzung dazwischen. Mehrheitlich gewünscht wurden gastronomische Angebote, Flächen zum Grillen, viel Bewegungsfläche für Kinder und Jugendliche, Möglichkeiten zur Naturbeobachtung, Raum für Vierbeiner sowie Areale zum Selbstgärtnern. 54 Prozent der Befragten wünschen sich besondere Bereiche für die regenerative Energiegewinnung, beispielsweise durch Solaranlagen oder nachwachsende Rohstoffe. Mit 62 Prozent Zustimmung fand auch ein natürlich gestalteter Badesee großen Anklang.

Erstaunt zeigte sich die Senatsbaudirektorin davon, dass nur zwölf Prozent der Anwohner die Ausweisung von Grillflächen ablehnen. Absolute Priorität hatte für 86 Prozent der Befragten allerdings die Sauberkeit, was angesichts des Zustands vieler Berliner Parks nicht sonderlich überrascht. Dies führt soweit, dass 64 Prozent, die Frage, ob der existierende Zaun als Schutz vor nächtlichem Vandalismus und illegalem Müll- abladen stehen bleiben soll, bejahten. »Dieses Sicherheitsbedürfnis muss man nicht mit einem Zaun beantworten«, so Lüscher, es werde jedoch in den Wettbewerb mitgenommen.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Besucher des Flughafengeländes anscheinend von den großen, übersichtlichen Flächen mit Stadtpanorama. Zwar geben die Befragten dem eher klassischen Park mit Baumgruppen die besseren Noten gegenüber der von Ingeborg Junge-Reyer (SPD) schon öfter schwärmerisch als Wiesenmeer beworbenen Variante, jedoch schnitt sie nach persönlicher Inaugenscheinnahme wesentlich besser ab. In jenem Bereich soll auch 2017 die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) stattfinden, seit Dienstag gibt es eine schriftliche Zusage, nachdem sich mit Aachen der letzte Konkurrent zurückgezogen hatte. Damit gibt es nun auch größere Planungssicherheit für den im Februar 2010 beginnenden Wettbewerb für den Masterplan, dem nach erneuter Bürgerkonsultation die Detailplanung folgen soll.

Als nächster Nutzungsschritt wurde die Umsetzung der Idee eines Jugendspielplatzes ab Mai 2010 angekündigt. Auf Nachfrage zeigte sich allerdings, dass weder Kontakt zur entsprechenden Jugendgruppe hergestellt wurde, die die Idee im Rahmen des Internetdialogs äußerte, noch dass eine Finanzierung steht. Womit der Senat auf den Betrachter weiterhin den Eindruck macht, als wäre die Schließung des Flughafens Tempelhof ein kaum vorherzusehender Akt gewesen. Doch gerade in der »prozesshaften Entstehung des Areals« sieht Regula Lüscher die Herausforderung.

Bürgerbeteiligung bei Tempelhof

  • Im Internetdialog informierten sich über 68 000 Menschen, 2471 übermittelten ihre Vorstellungen, Meinungen und Vorschläge.
  • Bei einer schriftlichen Bürgerbefragung, bei der 6000 Fragebögen in einem Umkreis von 1,5 Kilometern um das Tempelhofer Feld verschickt wurden, kamen knapp ein Viertel der Bögen – ungewöhnlich viel – ausgefüllt zurück.
  • Weitere 1000 Fragebögen mit leicht veränderter Fragestellung wurden berlinweit verschickt, hier antworteten sogar 30 Prozent der Befragten.
  • Um Menschen mit Migrationshintergrund besser zu erreichen, wurden 17 Gruppeninterviews mit insgesamt 138 Teilnehmern durchgeführt.
  • 1200 auswertbare Fragebögen ergab die Verteilaktion während der zwei Oktoberwochenenden, an denen das Tempelhofer Feld zugänglich war. Außerdem beteiligten sich 833 Bürger an einer TED-Umfrage.

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