Werbung

Blairs Lügenkurs führte in Irak zum Fiasko

Dokumente der britischen Regierung: Invasion 2003 war kaum abgestimmte übereilte Operation

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Bei der Vorbereitung des Irak-Kriegs und beim Einsatz britischer Soldaten in dem Zweistromland soll es gleich reihenweise zu Pannen und Fehlern gekommen sein.

London (Agenturen/ND). Soldaten wurden mit fünf Schuss Munition in den Krieg geschickt, Funkgeräte machten in der Hitze schlapp, es fehlte an vernünftiger Ausrüstung und im Nachschubchaos wurde sogar eine Lieferung von Skiern in die heiße Wüste geschickt. So zumindest steht es in Hunderten von Dokumenten der britischen Regierung, die der Zeitung »Daily Telegraph« zugespielt wurden.

Demnach hatte die damalige Regierung von Tony Blair keinen rechten Plan, wie es nach dem Fall der Hauptstadt Bagdad weitergehen sollte. Hochrangige britische Offiziere fühlten sich von ihren US-Alliierten schlecht informiert, bescheinigten den befreundeten Offizieren die Kommunikationsfähigkeit von Marsmenschen, versuchten aber auch, Befehle von US-Vorgesetzten zu umgehen. Die Dokumente, bei denen es sich vor allem um Kritik von Militärs am Außen- und Verteidigungsministerium handelt, erschienen zu einem brisanten Zeitpunkt.

Denn vom heutigen Dienstag an befragt eine parteiübergreifende Kommission Zeugen, um die Rolle Großbritanniens in der Invasion von 2003 zu klären. Bei dem sechs Jahre langen Einsatz waren 179 Soldaten aus dem Königreich ums Leben gekommen. In den nächsten Monaten werden Diplomaten, Waffenexperten, Beamte und Generale aussagen. Auch Ex-Premier Blair, der damals eine der umstrittensten politischen und militärischen Entscheidungen seit Jahrzehnten traf, muss dem Gremium Rede und Antwort stehen. Und Blair können die Enthüllungen der Zeitung, die auch schon den Spesenskandal britischer Politiker aufgedeckt hatte, nicht gefallen. Schon lange wird dem Vorgänger von Premier Gordon Brown vorgeworfen, er habe der Öffentlichkeit damals keinen reinen Wein eingeschenkt und die Entscheidung für eine Invasion schon viel früher als bekannt getroffen.

Blair hatte 2002 immer kundgetan, dass Irak abrüsten müsse und ein Militärschlag nicht geplant sei. Dabei begannen laut »Telegraph« schon im Februar 2002 Planungen für eine Invasion und einen Sturz Saddams. Weil Parlament und Öffentlichkeit davon nichts erfahren durften, konnte es keine gründliche Vorbereitung geben, so das Blatt. Den Dokumenten zufolge wurde die Invasion so zu einer kaum abgestimmten übereilten Operation. Soldaten wurden schlecht ausgerüstet in den Kampf geschickt, für die Zeit nach dem Krieg fehlten konkrete Pläne, wodurch die Regierung eine Chance verpasst habe, sich eine bessere Hilfe der irakischen Bevölkerung zu sichern.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!