Von Jörg Meyer und Martin Kröger

Brunnenstraße 183 geräumt

600 Polizisten dringen in Wohnprojekt ein / Hausbesitzer gibt Senat Schuld für Eskalation

Aktivist auf dem Dach des Komplexes in der Brunnenstraße (o
Aktivist auf dem Dach des Komplexes in der Brunnenstraße (o.) – Polizisten der Bereitschaftspolizei drangen auch in den ehemaligen Umsonstladen im Erdgeschoss ein.

Der massive Polizeieinsatz kam für die Besetzer überraschend – obwohl doch »Bild« erst in der vergangenen Woche in reißerischer Manier die »Räumung der linken Terror-Nester« eingefordert hatte. Rund 600 Polizisten umstellten dann auch prompt gestern gegen 15 Uhr das besetzte alternative Wohnprojekt in der Brunnenstraße 183, das im Bezirk Mitte besonders durch den ehemaligen »Umsonstladen« bekannt war, der sich im Vorderhaus des Gebäudekomplexes befand. Zwar war bereits im Sommer eine Räumung des Projektes befürchtet worden, doch die blieb damals aus. Zuvor war ein zwischen dem Bezirk, den Besetzern und dem Hausbesitzer, dem Arzt Manfred Kronawitter aus Passau, ausgehandelter Kompromiss für den Erhalt des besetzten Hauses am Widerspruch des Senats gescheitert.

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Der Hausbesitzer, der in den vergangenen Jahren sämtliche Räumungsprozesse gegen Bewohner gewinnen konnte, wies gestern in einer Erklärung erneut dem Senat die Schuld an einer möglichen Eskalation zu: »Selbst eine persönliche Bitte an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit« sei erfolglos gewesen, da dieser die »Vergabe des Ausgleichsgrundstücks an JOOP« als »hauptstadtrelevanter« gefunden hätte, erklärte Kronawitter. Und: »Eine für alle Seiten konstruktive und produktive und damit friedliche Lösung« sei politisch nicht gewollt gewesen.

Eine gewalttätige Eskalation blieb gestern indes bis zum Redaktionsschluss dieser Seite aus. Rund 150 Sympathisanten der Besetzer bekundeten aber im nahegelegenen Weinbergspark verbal ihren Unmut über die Räumung. »Der Zugang in das Haus war frei, es gab keine Gegenwehr«, sagte ein Polizeisprecher gegenüber ND. Drei Besetzer zeigten dennoch Flagge: Sie schwenkten rote Fahnen der »Antifaschistischen Aktion« auf dem Dach. Insgesamt hätten die Bereitschaftspolizisten 21 Personen in dem besetzten Haus angetroffen, deren Personalien anschließend festgestellt wurden, so der Polizeisprecher.

Anhand dieser Überprüfung wollte der Gerichtsvollzieher, der die Räumung durchführte, entscheiden, ob die Personen das Haus verlassen müssen. Wie in Berlin üblich, wurde noch am Abend eine Versiegelung des Hauses vorgenommen. Die Fenster wurden dafür herausgebrochen.

Der Anwalt der Brunnenstraße 183, Moritz Heusinger, der von der Polizei nicht in das Projekt gelassen wurde, zeigte sich schockiert ob des Ausmaßes des Polizeieinsatzes. Es habe auch nur fünf Räumungstitel für Wohnungen gegeben, obwohl es in dem gesamten Komplex mindestens 15 Wohnungen gebe. Offenbar wollte man das Haus illegalerweise in einem Rutsch räumen, vermutete Heusinger.

Für den Abend war eine Spontandemonstration der linksradikalen Szene am Alexanderplatz angekündigt.

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