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Blickfang

Entdeckung eines Kontinents

  • Von Angelika Nguyen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Fünfzackiger Stern auf rotem Grund, Buchstaben im Kreis, fertig ist das Logo. Mit der Edition »Meisterwerke des Lateinamerikanischen Films« hat das Label Icestorm Entertainment ein neues Marktsegment des Weltfilmschaffens belegt, das sich unter eigenständiger Unternehmensführung denn auch »Ice-storm Revolution« nennt. Das Mutterunternehmen Icestorm Entertainment vertreibt seit Jahren DEFA-Filme, sowjetische Filmklassiker und neuerdings auch DDR-TV-Serien der unterhaltsamen Art. Damit erinnert das Label nachhaltig an große Filmkunstwerke Osteuropas aus der Zeit des Sozialismus.

Seit 2007 erfährt dieses bewährte Konzept eine sinnvolle Erweiterung auf lateinamerikanische Filme. Gerd Kähler, familiär dem südlichen Kontinent verbunden und Geschäftsführer von »Ice-storm Revolution«, führt die Verhandlungen mit Produzenten und Vertrieben selbst, Firmensitz ist Barcelona. Entsprechend frisch und erlesen ist die Auswahl der Filme. Die Filmreihe entwirft ein Mosaik des gegenwärtigen Zeitgefühls eines von faschistischen Militärdiktaturen schwer geprüften und notorisch rebellischen Kontinents. Nach einer ersten Staffel kubanischer Filme liegt bei der jetzigen Edition der Schwerpunkt auf Argentinien.

Der Begriff »Meisterwerke« im Titel der neuen Reihe ist nicht übertrieben. Alle Filme, übrigens eher kleinere Independentproduktionen, sind auf Festivals gelaufen beziehungsweise wurden preisgekrönt. Es ist ein Glücksfall, dass es keine Möglichkeit gab, diese neueren Filme (gedreht im Zeitraum 1997 bis 2005) zu synchronisieren. Die Originalfassungen mit Untertiteln, wahlweise auch die puren Originalfassungen, verstärken die authentische Atmosphäre der Filme. Müheloser als in unserem synchrongewöhnten Land zu vermuten ist, lassen sich die deutschen Untertitel mit den Geschichten rezipieren, die Bilder wirken trotzdem. Dafür blieb der Originalton Spanisch erhalten – die Sprache der Revolution. Dies getreu dem Credo des jungen Argentiniers Che Guevara, wonach die Länder Lateinamerikas zwar Grenzen trennt, aber die Sprache Spanisch, von gemeinsamer Geschichte zeugend, wiederum vereint.

Der Name »Revolution« im Label ist Programm. Immer geht es, so verschieden die Filme thematisch und stilistisch sind, um Auflehnung gegen Unzumutbares, um Emanzipation. Die Geschichten erzählen von brutaler Konkurrenz in modernen Führungsetagen (»Die Methode«), traumatisierten Soldaten im Falklandkrieg (»Vom Feuer erleuchtet«), vom Widerstand eines alten Mannes gegen sadistische Militärs (»Die Violine«), von Pubertät und Familie (»Martín (Hache)«) oder dokumentieren einen verrückten Radiosender (Radio La Colifata).

Immer spürt man die Gespenster Lateinamerikas: militärische Willkür, Unterdrückung, Verrat, politischer Mord, aber auch den Mut, Zorn und Stolz einfacher Menschen. Selbst in einem klinisch reinen Kammerspiel wie »Die Methode« erfolgt akustisch und am Schluss auch visuell die Öffnung zur Rebellion auf der Straße – einer Demonstration gegen Weltbank und IWF. Unvergesslich die starken Indio-Gesichter in dem Film »Die Violine« oder das Konzert der Patienten einer psychiatrischen Klinik mit Manu Chau in Buenos Aires in »Radio la Colifata«, die tollen Dialoge in »Martín (Hache)« oder in »Vom Feuer erleuchtet« die Tränen des ehemaligen Soldaten Esteban. Jeder einzelne Film reißt die Zuschauer in seine Geschichte hinein und lässt nicht mehr los.

Es ist eine andere Welt. Aber wir erkennen uns in ihr.

Meisterwerke des Lateinamerikanischen Films, Icestorm Revolution.

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