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Eine Ermunterung

Alain Felkel über die Deutschen als rebellisches Volk

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Warum ist die friedliche Revolution vor 20 Jahren in der DDR mit solch offiziellem Pomp und Jubel gefeiert worden? Weil sie die einzige in der deutschen Geschichte mit glücklichem Ausgang war? Weil das Endergebnis stimmte? Jedenfalls nimmt man nun mit besonderer Neugier das Buch des Kölner Historikers Alain Felkel zur Hand. Er hat ein Erkenntnisgewinn für diese Frage versprechendes Unternehmen gewagt.

Zunächst freilich stutzt man: die Deutschen ein rebellisches Volk? Eine kühne These im Untertitel. Bisher war man eher vom Gegenteil überzeugt. Der Autor weiß um die vorherrschende Meinung, »die Deutschen seien ein Volk, das in der Vergangenheit fast sklavisch alles erduldete, was fürstliche und staatliche Autoritäten verordneten, das nie lernte, um seine demokratische Freiheit zu kämpfen«. Dieses Vorurteil läge im mangelnden Wissen begründet; es sei in der DDR allenfalls der Novemberrevolution und in der BRD der 1848er Beachtung geschenkt worden. Einspruch! Die 1848er wie auch die Bauernkrieger von 1525 erfuhren in der akademischen Forschung sowie in schulischer und politischer Bildung in der DDR sehr wohl große Aufmerksamkeit. Wobei manches auch überzogen wurde. Im offiziösen Geschichtsbild wurde z. B. der Mühlhausener Reformator und Bauernführer Thomas Müntzer in der Tat (Engels folgend) zeitweise zum Urkommunisten geadelt. Felkel schreibt: »Müntzer war trotz seiner im Taborismus verwurzelten sozialrevolutionären Tendenzen vor allem Theologe.«

Das Buch beginnt mit einem Jubiläum: Vor 2000 Jahren führte Arminius die Cherusker in den Kampf gegen die römische Herrschaft. Der Autor diskutiert die Rezeptionsgeschichte. Wie die Schlacht am Teutoburger Wald wurde auch der Aufstand der Sachsen unter Widukind 782 bis 785 gegen die Zwangschristianisierung und Unterwerfung durch Frankenkönig Karl der Große von der NS-Ideologie mystifiziert. Der Aufstand des Vinzenz Fettmilch & Co. von 1614, der sich (und hier durchaus aktuelle Analogien provozierend) gegen die Misswirtschaft des Frankfurter Stadtrates gerichtet hatte, dann jedoch in antisemitische Exzesse mündete, wirkt deplatziert zwischen den ansonsten heroisch erinnerten Erhebungen wie der Aufstand der schlesischen Weber oder die Reichsverfassungskämpfe von 1849. Felkel würdigt die Kühnheit der Matrosen und Arbeiter im »vergessenen November 1918« und betont: »Dass die Errungenschaften dieser Revolution verraten wurden, lag an dem perfiden Pakt Eberts mit den Militärs sowie an der Zerrissenheit der Linken.«

Schließlich kommen der 17. Juni 1953 und der sanfte Umsturz 1989 in Blick; letzterer wird erstaunlich rasch abgehandelt. Aber ist dazu nicht eh schon alles gesagt? Felkel vergleicht: Waren 1953 die treibenden Kräfte Bau- und Industriearbeiter, die zwar Gewerbetreibende, nicht aber Intellektuelle und Studenten für ihre »spontane Straßenrevolution« gewinnen konnten, so habe es sich 1989 genau umkehrt verhalten: Bürgerrechtler übernahmen die Führung, während sich die Masse der arbeitenden Bevölkerung erst nach und nach anschloss.

Im Vorwort unternimmt der Autor eine Begriffsbestimmung. Was unterscheidet den Volksaufstand, die nationale Erhebung und den Befreiungskampf von Rebellion und Revolution? Anspruch auf akademische Exaktheit wird nicht erhoben. Es ist ein populärwissenschaftliches Buch, prall gefüllt mit Fakten. Es kann als eine Ermunterung zum Rebellentum gelesen werden. Interessant und sympathisch, wie oft Felkel sich auf Anarchisten beruft, von Bakunin bis Camus.

Alain Felkel: Aufstand. Die Deutschen als rebellisches Volk. Lübbe, Gütersloh. 608 S., geb., 22,99 €.

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