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Computer, Kochtopf und Lockenwickler

In Vietnam sorgt ein Ausbildungsprojekt von SODI und der Frauenunion für Berufsperspektiven

  • Von Ilona Schleicher
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Absolventinnen der beruflichen Grundkurse im Projekt von SODI und der vietnamesischen Frauenunion haben gute Zukunftsaussichten. Die Abschlusszeugnisse verhalfen 51 der ersten 80 Teilnehmerinnen bereits zu einer Arbeitstelle.
Ausbilderin Nguyen Thi Hoa (links) mit Phan Thi Hieu
Ausbilderin Nguyen Thi Hoa (links) mit Phan Thi Hieu

Nguyen Thi Hoa ist eine schöne Frau. Sie scheint wie geschaffen für ihre Tätigkeit als Ausbilderin für Kosmetikkurse am Berufsausbildungszentrum der vietnamesischen Frauenunion in Vinh (VTC), der Provinzhauptstadt von Nghe An. Nicht selten stellt sie sich ihren Schützlingen, allesamt junge Frauen, auch als Modell zur Verfügung. Ihr langes schwarzes Haar eignet sich vorzüglich zum Üben mit Lockenwicklern.

Nguyen Thi Hoa führt einen kleinen Salon, sie kann den Kursteilnehmerinnen aus der eigenen Erfahrung viel berufliches Wissen vermitteln. »Geschick allein genügt nicht«, meint sie. »Der gute Umgang mit den Kunden ist nicht weniger wichtig.« Dass sich »ihre« Mädchen die Ratschläge zu Herzen nehmen, hat sich in Vinh schnell herumgesprochen. »Bereits vor Ende des Kurses«, verrät die Ausbilderin nicht ohne Stolz, »wurden einigen Absolventinnen Arbeitsstellen angeboten.«

Auch Phan Thi Hieu hofft, mit einem guten Zeugnis der sechsmonatigen Grundausbildung den Einstieg zu schaffen. Sie half bis vor kurzem den Eltern auf dem Reisfeld, weil sie nach der Schule ohne eine berufliche Qualifizierung keine Chance auf eine andere Arbeit hatte. Die Eltern freuen sich mit ihr, dass sich dies nun geändert hat.

Drei junge Frauen, die am ersten Kurs teilgenommen hatten, werden mit Hilfe des Kleinkreditprogramms im SODI-Projekt demnächst ein eigenes Geschäft einrichten. Über eine solche Perspektive hat die 18-jährige Phan Thi Hieu noch nicht nachgedacht. Sie will sich darüber auch mit ihren Eltern beraten, die sie einmal im Monat besucht. Ihr Heimatdorf ist eine Tagesreise entfernt, deshalb lebt die junge Frau während ihrer Ausbildung in einem Wohnheim des VTC. Die Kosten werden von der Frauenunion getragen.

»Auch unsere frischgebackenen Köchinnen, die nach Abschluss ihrer Kurse eine Menge mehr können, als Nudelsuppe und Frühlingsrollen zuzubereiten, sind gefragt«, sagt die Leiterin des VTC, Nguyen Thi Ha. Sie werden von einer Ausbilderin gut auf ihre berufliche Tätigkeit vorbereitet.

Neben ganz jungen Kursteilnehmerinnen qualifizieren sich auch ältere Frauen am Ausbildungszentrum. Sie wollen ihre Kochkünste durch Kenntnisse des Gastronomiegewerbes ergänzen, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Etwas Sorge bereitet der Frauenunion die Zukunft der Absolventinnen der dreimonatigen Computerkurse. Gefragt sind IT-Kenntnisse, die über das in den Grundkursen vermittelte Wissen hinausgehen. Aufbaukurse sollen die Chancen der Frauen verbessern. Die meisten bewerben sich bei Unternehmen in Vinh oder in anderen städtischen Zentren. Die Frauenunion hält Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern, um die Anforderungen an künftige Mitarbeiterinnen genauer kennen zu lernen und die Bewerbungen zu unterstützen.

»Für die Kursteilnehmerinnen ist wichtig, dass sie ihre gesetzlich verbrieften Rechte kennen«, unterstreicht Nguyen Thi Ha. »Das bleibt nicht allein den anschließenden Orientierungskursen und Beratungen in den Gemeinden vorbehalten. Wir bereiten bereits am VTC die Frauen darauf vor, sich selbstbewusst zu behaupten.«

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