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Der ungewöhnliche Fall des Joe Glenton

Protest gegen Afghanistan-Krieg in Britannien

  • Von Christian Bunke, Manchester
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Beteiligung britischer Truppen an den Kriegen in Irak und Afghanistan steht wieder im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte in Großbritannien.

Ein Untersuchungsausschuss rollt in London seit gut einer Woche die dubiosen Vorgänge auf, die zum Krieg in Irak führten. Laut neueren Vorwürfen sollen Pläne zur Invasion bereits ein Jahr vor den Anschlägen auf das World Trade Center existiert haben.

Derweil erwartet die USA-Regierung eine Aufstockung der britischen Truppen in Afghanistan. Aber auch dieser Krieg wird in der Bevölkerung immer unpopulärer. Über 70 Prozent sind gegen den Einsatz britischer Soldaten am Hindukusch. Vor allem sind es aus verständlichen Gründen Angehörige getöteter Soldaten, die sich in größerer Zahl gegen die Regierung wenden. Sie fordern vom Irak-Untersuchungsausschuss die Vernehmung des ehemaligen Premierministers Tony Blair. Der hatte bereits am 10. Oktober mit der Wut der Angehörigen Bekanntschaft gemacht, als er an einer Gedenkveranstaltung für getötete Soldaten in der Londoner St.-Pauls-Kathedrale teilnahm. Peter Brierley sprach stellvertretend für viele Hinterbliebene, als er Blair einen Kriegsverbrecher nannte, an dessen Händen Blut klebe.

Auch innerhalb der Armee selbst macht sich Widerstand bemerkbar. Der bekannteste Fall ist der von Joe Glenton. Bereits als Jugendlicher der Armee beigetreten, galt Glenton als Modellsoldat. Bei seiner ersten »Tour of Duty« in Afghanistan musste er unter anderem Särge getöteter Soldaten mit dem Gabelstapler in Flugzeuge verladen. Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Krieges befielen ihn. Schließlich floh Glenton und verschwand für zwei Jahre von der Bildfläche. Er heiratete in Australien, stellte sich jedoch anschließend in Großbritannien der Militärpolizei.

Offiziell wurde ihm zunächst nur »unerlaubte Entfernung von der Truppe« vorgeworfen. Doch seine Abneigung gegen den Afghanistankrieg war weiter gewachsen. In seinen Augen ist dieser Krieg unrechtmäßig.

Glenton schrieb einen offenen Brief an Premierminister Gordon Brown, forderte eine Podiumsdiskussion mit dem Verteidigungsminister und führte im Oktober eine große Antikriegsdemonstration in London an. Nur einen Tag später wurde er verhaftet. Jetzt wird Joe Glenton Fahnenflucht vorgeworfen. Dafür drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Sein Mutter Sue Glenton will das nicht hinnehmen. »Täglich sprechen Generäle zur Presse darüber, dass sie den Krieg unterstützen. Einfachen Soldaten soll der Mund aber verboten werden. Mein Sohn leidet unter posttraumatischen Stressbeschwerden. Doch die Ärzte haben ihm gesagt: ›Rennen kannst du ja noch, also ist alles okay.‹ Soldaten brauchen dringend das Recht auf gewerkschaftliche Organisation, um ihre eigenen Rechte durchzusetzen.«

Familienangehörige britischer Soldaten wollen demnächst zehntausende Unterschriften gegen den Afghanistankrieg bei Premierminister Brown in Nr. 10 Downing Street einreichen.

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