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Die Angst vor der Krise wächst

Heitmeyer-Studie warnt vor Entsolidarisierung und Antisemitismus

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Eine große Mehrheit der Bevölkerung sieht Fehler im kapitalistischen System und macht Banker und Spekulanten für die Krise verantwortlich.

Wenn man die Politiker und die Ökonomen hört, gehört die Krise schon längst der Vergangenheit an. Doch bei großen Teilen der Bevölkerung wächst die Angst vor der Krise und den Folgen. Zu diesem Schluss kommt die neueste Folge der repräsentativen Studie »Deutsche Zustände«, die ein Team von Wissenschaftlern um den Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer seit 2002 erstellt und jährlich aktualisiert. Für die aktuelle Folge, die vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, befragten die Forscher in diesem Jahr 2000 Personen.

Bei der Vorstellung der Untersuchung hob Heitmeyer hervor, dass wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise bei vielen Menschen die Angst zunehme, zu den Verlierern zu gehören. Knapp die Hälfte der Bundesbürger empfinde sich als von der Krise bedroht. Persönlich betroffen fühlen sich fast 40 Prozent. Drei von vier Menschen in Deutschland sehen Fehler im kapitalistischen Wirtschaftssystem. Dass Banker und Spekulanten schuld an der Krise sind, glauben fast 90 Prozent der Befragten. 80 Prozent waren der Ansicht, dass »Leute wie ich« für die Fehler der Wirtschaft und Politik geradestehen – und letztlich »die Wirtschaftskrise ausbaden müssten«.

Zugleich habe die Apathie bei den Menschen zugenommen. Politisches Engagement und der Zusammenschluss mit ebenfalls von der Krise Betroffenen werde als nutzlos angesehen. Stattdessen gilt die Devise, jeder ist sich selbst der Nächste. In der Krise halten viele Menschen Solidarität für einen Luxus, den sie sich nicht leisten wollen. So sind nach der Untersuchung fast 65 Prozent der Befragten der Ansicht, dass in Deutschland zu viele schwache Gruppen »mitversorgt werden müssen«.

Zunehmend werde auch das grundsätzliche Gefühl der Gleichwertigkeit aller Menschen brüchig, warnt Heitmeyer. Neben den Ressentiments gegen sozial Ausgegrenzte seien auch der Antisemitismus und die Schwulenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft gewachsen, so der Bielefelder Soziologe. Antisemitische Erklärungsmodelle werden oft von Menschen aufgegriffen, die das Gefühl haben, Opfer von für sie undurchschaubaren Machenschaften zu sein.

Die von Heitmeyer vorgestellten Ergebnisse sind auch eine Herausforderung für die Linke. Die Vorstellung, dass die Krise die Menschen leichter zu Protesten mobilisiert, wird hier in Frage gestellt. Die Krise kann im Gegenteil sogar einen Rechtsruck in der Gesellschaft bewirken. Es wird sich zeigen, ob es linken Gruppen gelingen wird, Unterstützung für solidarische Auswege aus der Krise zu bekommen.

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