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Ja, es arbeitete ...

Konzerthaus Berlin: Werke von Helmut Zapf und anderen

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Helmut Zapf, unermüdlich komponierender Einzelkämpfer und Begründer der »Zepernicker Randspiele«, stand im Blickpunkt eines Abends im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin – als Hauptakteur im zweiten Konzert der Reihe »Vom Gehorsam. Von der Verweigerung.« Komponisten, die in der DDR gewirkt haben, stellt das Ensemble United Berlin, selbst noch Produkt aus der Spätzeit des Landes, darin vor. Ein verdienstvolles Projekt. Es öffnet den Blick, es bündelt die Werke, setzt sie in Beziehung, enthüllt Entwicklungen, auch Rückbildungen. Musiker agieren über Ensemblegrenzen hinaus, Grenzen, die heute viel lockerer sind als vor zwanzig Jahren. Das zeugt von dem Willen: Weg von den Egoismen, hin zu kollektiven, kooperativen Formen.

Der Generalattitüde von »Zwanzig Jahre Mauerfall« – nu wermma mal tüchtsch druffhaun – will die Konzertserie (sie bezog von daher freilich ihre Fördermittel) nicht bedienen. Wohl aber die Dinge in ihrer Widersprüchlichkeit, auch genrationsübergreifend zeigen. Als Dirigent konnte Peter Rundel gewonnen werden, eine der markantesten, beschlagensten, auch bescheidensten Figuren in der polyglotten Neue-Musik-Szene.

Interessant, weil zum aufmerksamen Hören einladend, der glücklich gefügte Reigen der Werke. Ein Georg-Katzer-Stück der besten Sorte präludierte. Nicht zufällig: Zapf war einer von Katzers Meisterschülern. Das Sonar Quartett mit dem Kontrabassisten Matthias Bauer musizierte »Brechungen und Strahlungen« für Streichquintett von 1991, ein federleichtes, Gegensätze ausspinnendes, so gut wie alle ton- und geräuscherzeugenden Anschlag- und Stricharten in Anspruch nehmendes Stück.

Referenz an den verstorbenen Hans-Peter Jannoch – Lehrer, Anreger, Freund Zapfs – der Einbau des Kammerstücks »Aynn Wintrstück« auf Texte von Sarah Kirsch, das vor allem in den Eckteilen zu überzeugen wusste. Im Schlussteil – überraschend – singt sich die reine, unbegleitete Stimme (Ksenija Lukic, Sopran) ihre Seele aus.

Von Zapf selbst kamen drei Stücke. Eigentümlich: Das früheste, nämlich »Contra-Punkte« für Flöte, Fagott, Schlagzeug, Klavier und Viola, ist das konstruktivste, ausgehörteste. Es fällt in die Zeit des Studiums bei Katzer. Eine ambitionierte, genau kalkulierte, durch wenige percussive Auflockerungen darin »gestörte« Arbeit, die den Gedanken der Aufsplittung der Themata bewahrt, die Motive mal runter, mal rauf wirft, wo Noten gegen Noten heftig angehen. Zapf adaptiert freizügig und fast durchgängig die B-A-C-H-Motivik. Aber derart verdeckt, überzeichnet, das man nur staunen kann. Staunen auch, weil da Musik erblühte, die es vorzieht, der durchbrochenen Arbeit Gewicht zu verleihen, statt, wie es heute zum »guten Ton« gehört, Flüchtiges beliebig aufzureihen.

Hingegen Zapfs »Sound« für Streichquartett schlitzohrig humorvoll daherkommt. Das Sonar Quartett mit Tochter Susanne Zapf als Primgeigerin arbeitete das ganze Raffinement der Partitur heraus. Ja, es arbeitete. Nicht nur mit Bogen und Saiten, sondern mit Mund, Zunge, Armen. Gestrichene, geklopfte Sounds wechseln mit gelispelten, geschnalzten, gepusteten. Paralinguistik, Pantomimik, Geräusche, etwa das Rascheln mitdem Notenblatt, gehören unablösbar zur Faktur. Weniger von Belang die abschließende Uraufführung »via rupta« für größeres Ensemble.

Seltsam das Duo für Violine und Klavier des Zapf-Schülers Kaspar Querfurth. »Nichts aus bedeutender Musikhistorie ist abgegolten«, scheint das leise, Zeit atmende Stück zu sagen. Da kramt ein Achtzehnjähriger in den Gefilden der Romantik und bringt gleichwohl etwas zuwege, das einen frösteln macht. Uraufführung gleichfalls Sebastian Stiers Ensemblestück »Labiles Gleichgewicht«. Symmetrieartig die Aufstellung der Musiker. Je doppelt, rechts und links, Violine, Viola, Violoncello, Trompete, Klavier, Percussion. Der Grundgedanke: stabile Kräfte im Widerstreit mit instabilen oder labilen. Eine Methapher, bezogen aus der Physik, hier auf die Bewegungs- und Beharrungskräfte der Musik angewandt. Eine hochkonstruktive Arbeit, der es an anstachelnder Sinnlichkeit nicht gebricht.

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