Werbung

Es geht uns nicht nur um Geld

Zwei Gewerkschafterinnen über den Kampf gegen den Schweizer Dessous-Hersteller Triumph

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

ND: Dienstagmorgen haben Sie in einem Berliner Einkaufszentrum vor einer Triumph-Filiale demonstriert. Worum ging es?
Isabelita dela Cruz: Wir protestieren gegen die Schließung der beiden philippinischen Zulieferer-Fabriken im Sommer. Alle 1660 ArbeiterInnen wurden entlassen.

Jittra Cotshadet: In Thailand wurden bei der Triumph-Tochter Body Fashion Thailand (BFT) 1959 ArbeiterInnen entlassen.

Sie hatten ein »symbolisches Geschenk« dabei. Was war das?
dela Cruz: Ein Weihnachtsmann hat einer Beschäftigten die Beschwerde überreicht, die unsere Freunde in Thailand gegen die Entscheidungen des Triumph-Managements bei der OECD eingelegt haben. Die Beschwerde richtet sich gegen die Entlassungen und gegen die Unterdrückung der Gewerkschaften.

Cotshadet: In den OECD-Richtlinien steht, dass vor Kündigungen die Gewerkschaften konsultiert werden müssen. Außerdem geht es um Transparenz: Unternehmen müssen den Belegschaften Informationen über Restrukturierungsmaßnahmen geben, damit die sich auf den vom Unternehmen eingeschlagenen Weg einstellen können. In der Praxis sieht das für die Arbeiter aber ganz anders aus.

Wie ist die Situation seit den Entlassungen vor Ort?
dela Cruz: Aus den philippinischen Fabriken wurden seit Mai Materialien und Maschinen nach China und Vietnam abtransportiert. Am 27. Juni gab Triumph die Schließung bekannt. Seitdem haben wir eine Streikpostenkette auf dem Firmengelände. Unsere Familien und unsere Kinder, die nicht mehr zur Schule gehen können, sind bei uns. Wir blockieren die Rohstoffe. Wenn die weg sind, können wir nichts mehr tun.

Cotshadet: Triumph hat mich 2008 gefeuert. In einer Fernsehsendung hatte ich ein Kampagnen-T-Shirt der Gewerkschaft an. Die Arbeiter begannen wegen meiner Entlassung zu streiken – 46 Tage lang. Seitdem gab es auch Gerüchte, dass die Fabrik geschlossen werden soll.Am 27. Juni 2009 wurde die Entlassung der Hälfte der Belegschaft bekannt gegeben. Auf einer Versammlung wurden den Beschäftigten Briefe übergeben, in denen stand, ob sie bleiben können oder nicht. Einige fingen an zu weinen, als sie den Umschlag öffneten, andere fielen in Ohnmacht. Kranke, Schwangere, Behinderte, die komplette Badeanzugabteilung sowie alle, die sich im Streik für mich eingesetzt haben und 13 Mitglieder des 17-köpfigen Gewerkschaftskomitees wurden gefeuert.

Der Streik dauert an, hat sich aber von der Fabrik zum Arbeitsministerium verlagert. Wir produzieren auch Protestunterwäsche. Wir wollen zeigen, dass die Produktion nur einen bis zwei Euro pro Stück kostet, Triumph aber sehr teuer verkauft. Und wir wollen zeigen, dass wir gute Qualität produzieren. Warum haben sie uns also entlassen?

Will Triumph so den Gewerkschaften schaden?
dela Cruz: Selbstverständlich! Die Fabriken, die auf den Philippinen und in Thailand geschlossen werden, sind diejenigen mit starken Gewerkschaften. Das ist das Ziel des Konzerns, wenn sie etwas schließen.

Triumph verdient gut. Die Gründe für die Schließung akzeptieren wir nicht. Sie reden von »unvermeidbaren Restrukturierungen« wegen der weltweit sinkenden Nachfrage, aber das ist nicht wahr. Wir glauben, sie wollen einfach unsere Gewerkschaft sprengen und unseren hart erkämpften Tarifvertrag, der uns unter anderem faire Löhne garantiert, wieder abschaffen. Sobald wir dafür konkrete Beweise haben, werden wir Triumph verklagen.

Seit 30 Jahren versucht Triumph, die unsere Gewerkschaft BPMTI zu zerstören. Seit der Gründung 1976 haben wir sechs Streiks gehabt – teilweise wurden sie blutig niedergeschlagen.
Cotshadet: Die Firma hat ja nicht Arbeitsplätze in Thailand insgesamt reduziert. In der Provinz Nakkhon Sawan bauen sie gerade eine Fabrik mit 2000 bis 3000 Arbeitsplätzen. Und neben BFT in Bangplee haben sie kürzlich ein Stück Land gekauft. Dort wollen sie ein neues Verteilerzentrum bauen. In Sri Lanka sollen sie auch eine neue Fabrik eröffnet haben, die steht in einer Freihandelszone, das heißt: keine Gewerkschaft.

Seit meiner eigenen Entlassung wurde ich von Unbekannten bedroht. Ich habe kein Geld, um meine Miete zu bezahlen, ich musste eines meiner Kinder für ein Jahr von der Schule nehmen. Aber ich hatte auch Glück. Die Gewerkschaft ließ mich in ihrem Büro schlafen und stellte mich ein.

Was sind Ihre konkreten Forderungen?
dela Cruz: Auf den Philippinen fordern wir, dass die Entlassenen wieder eingestellt werden, egal unter welchem Namen Triumph dort produziert, und höhere Abfindungsvereinbarungen für diejenigen, die nicht wieder eingestellt werden wollen. Sie sollen aufhören, unsere Streikposten zu drangsalieren. Die Auftragsvergabe an Subunternehmer zu schlechteren Arbeitsbedingungen muss aufhören. Es geht uns aber nicht nur um Geld. Über 30 Jahre haben wir viel für Triumph getan. Und jetzt behandeln sie uns wie eine Ware, wie Roboter. Wir wollen Gerechtigkeit!

Cotshadet: Die, die es wollen, sollen wieder eingestellt werden. Mit denen, die nicht zurückwollen, muss Triumph über Abfindungen verhandeln. Sie sollen aufhören, die Gewerkschaft zu unterdrücken und sich einzumischen, und sie sollen sich an die Tarifverträge halten.Die Arbeiter in Europa und überall müssen zusammenhalten und starke Gewerkschaften haben, damit die Unternehmen nicht einfach ihre Produktion verlagern können. Wenn die Staaten mit der Kapitalistenklasse zusammenarbeiten, müssen die Arbeiter zusammen kämpfen.

Fragen/Übersetzung: Jörg Meyer

Die Protestunterwäsche gibt es ab nächste Woche bei www.inkota.de

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen