Überproduktion

  • Von Robert Kurz
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Die Krise bringt es an den Tag, dass im Kapitalismus »zu viel« produziert wurde. Die abstrakte ökonomische Logik macht dabei keinen Unterschied zwischen notwendigen Gebrauchsgütern wie Lebensmitteln, Kleidung, Wohnung usw. und Luxusgütern oder sogar rein destruktiven Produkten wie Kriegswaffen. Bekanntlich kommt es nicht auf den Inhalt der Bedürfnisse an, sondern allein auf die Kaufkraft zwecks Kapitalverwertung.

Ein hartnäckiges Vorurteil unter Marxisten bestimmt die Überproduktion so, dass der produzierte Mehrwert mangels Kaufkraft nicht mehr ausreichend »realisiert« werden könne. Daraus folgt z. B. die systemkonforme gewerkschaftliche Argumentation, die Kaufkraft müsse gestärkt werden, um die Konjunktur anzukurbeln. Aber Kaufkraft folgt allein aus der Schöpfung von Mehrwert. Mangelnde Kaufkraft heißt in Wirklichkeit, dass zu wenig Mehrwert produziert wurde. Darin besteht das Wesen der Krise.

Exemplarisch lässt sich das Problem am Schlüsselsektor der Automobilindustrie zeigen. Die qualitative Seite besteht darin, dass die Mobilität einseitig auf den Individualverkehr ausgerichtet wurde, weil die Autoproduktion ein bedeutendes Segment realer Kapitalverwertung bildete. Damit entstand ein Schwerpunkt von Schadstoffemissionen und Klimazerstörung. Die öffentlichen Verkehrsmittel dagegen wurden ausgedünnt, weil sie als Staatskonsum die Kapitalverwe...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.