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PLATTENBAU

Musik wie aus einem imaginären Roadmovie, das einen von nordafrikanischen Sandwüsten bis in die russischen Steppen der Taiga entführt: Der leise anschleichende, instrumentelle Sound von Les Triaboliques ist voller exotischer Klänge. Justin Adams, Lu Edmonds und Ben Mandelson – drei in die Jahre gekommene britische Gitarristen mit bewegter musikalischer Vergangenheit – sind ein lustvoll experimentierendes Triumverat. Mit hierzulande wenig bekannten Saiteninstrumenten aus aller Welt verquicken sie Blues und Ethno-Folk.

Auf »Rivermudtwilight«, ihrer ersten gemeinsamen CD, präsentieren die drei musikalischen Globetrotter die Kabosy, eine exotisch verzierte Gitarre aus Madagaskar sowie eine Reihe seltsam geformter Klangkörper aus Asien wie die Tilinka, Bow-Büs und Khomuz. Gleich im ersten Track »Crossing the Stone Bridge« kann man in die sanft einschmeichelnden Tonfolgen einer Cümbüs eintauchen – einer türkischen, langhalsigen Laute. Ihr Klang ist voller als die der meisten Mandolinenbanjos. Sie ähnelt dem Oud, der arabischen Harfe, die als Vorläufer der europäischen Laute gilt und über die Mauren via Andalusien nach Mitteleuropa kam.

Die Protagonisten des »teuflischen Trios« bauen ihre Kompositionen dramaturgisch geschickt auf. Sie lieben Mixturen mit aufreizend unaufgeregten Rhythmussequenzen, die sie gerne mit exzessiven Blues- & Rockeinlagen konfrontieren. Die Stimmeinlagen und Song-Parts sind untergeordnet, die Texte erzählen von elementaren Reiseerfahrungen: »zwischen dunkler Stadt und Staub, die Instrumente auf dem Rücken. Es regnet und wir riechen schwarze Erde«.

Wie wandlungsfähig die Multi-Instrumentalisten mit ihren Anleihen aus afrikanischen und arabischen Musiktraditionen sowie denen östlich des Balkans sind, zeigt insbesondere die Entwicklung von Lu Edmonds: Er war Gitarrist der Pionier-Punkband The Damned und sammelte später Erfahrungen mit der sibirischen Kehlgesang-Gruppe Yat-Kha: »Das Ziel ist es, den Planeten zu bereisen, so viel Musik zu machen wie möglich und Leute zu treffen. Unsere späteren Zuhörer können vielleicht heraushören, wo wir überall waren, und wer während unserer Wanderschaft mit uns musiziert hat«, sagt Edmonds. So ist der Track »Black Earth Boys« ein gesungenes Denkmal für den blinden Sänger Asik Vesyel, der im letzten Jahrhundert durch die Türkei zog, begleitet allein von seiner Saz, dem traditionellen Instrument der Barden.

Mit »Gulaguajira« wagt das britische Trio eine diabolische Konfrontation: eine alte russische Weise mit von Kuba inspirierten Rhythmen. Es ist der Blues eines Häftlings, der rhythmisch übergeht in reine karibische Lebensfreude. Die Interpretation des Klassikers »Don't Let Me Be Misunderstood«, berühmt geworden durch Nina Simone, kombinieren die drei mit einem rumänischen Hora-Volkstanz: eine Fusion, die bei Les Triaboliques dennoch meist eine melancholische Grundnote hat.

Während Ben Mandelson sich einen Namen machte bei Bands wie den legendären 3 Mustaphas 3 und für sein interkulturelles Wirken als Produzent ausgezeichnet wurde, blieb Justin Adams stets mit seinen Projekten als Gitarrist verwachsen. Er wurde unter anderem bekannt durch Auftritte mit den Tuareg-Rockern Tinariwen. Die Produktion der CD »Rivermudtwilight« ist für ihn eine Synthese unzähliger Reiseerfahrungen: »In Musik und Gesang spürt man unsere Jahre staubiger Busfahrten, chaotischer Soundchecks, ekstatischer Konzerte. Das ist Können und Verwirrung in ziemlich gleichem Maße. Ein Porträt knorriger Eigenbrötler. Amen.«

Treffender hätte er die Stimmung der CD nicht beschreiben können, die im Zwielicht an den Ufern eines einsamen Flusses ihren Anfang nahm. Gabriela Greess

Les Triaboliques: Rivermudtwilight (Harmonia Mundi)

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