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Sicher spielen – auch nach dem Fest

Schadstoffe in Spielwaren können die Weihnachtsfreude empfindlich trüben

Alle Jahre wieder, spätestens am 1. Advent, beginnt der Weihnachtsgeschenkestress. Besonders häufig gekauft werden Spielwaren. Doch immer wieder gibt es Warnungen über Schadstoffe in Puppen, Autos und Spielfiguren. Kunden sollten deshalb vor dem Kauf genau hinsehen.

Für die Spielwarenbranche klingeln am Ende des Jahres die Kassen besonders laut: Fast 40 Prozent des Jahresumsatzes werden im November und Dezember gemacht. An Weihnachtsgeschenken für die Kinder wird eben auch in der Krise nicht gespart. Im Gegenteil: Der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) errechnete kürzlich, dass jedes Kind im Durchschnitt Geschenke für 240 Euro erhält.

Kein Wunder also, dass der Spielwarenhandel für 2009 mit einem Umsatz von rund 2,36 Milliarden Euro beim »klassischen« Spielzeug rechnet – eine Steigerung um drei Prozent. Traditionelle Materialien seien dabei wieder im Kommen, sagt Willy Fischel, Geschäftsführer des BVS: So greifen Eltern mit höherem Einkommen verstärkt nach Holz statt Plastik. Dass sie damit jedoch, was Schadstoffe angeht, auf der sicheren Seite sind, ist eine Illusion. Für Holzprodukte werden Lacke, Farben und Kleber verwendet, in denen Gifte und krebserregende Stoffe enthalten sein können. Für Spielzeug gilt deshalb: Erst informieren, dann kaufen.

Einige Anforderungen, die gutes und sicheres Spielzeug erfüllen sollte, kann man selbst überprüfen. Haben Autos, Bausteine und Spielfiguren scharfe Kanten, sitzen Teile locker? Dann lieber Finger weg. In Deutschland gibt es das von unabhängigen Prüforganisationen wie dem TÜV vergebene GS-Zeichen, das für geprüfte Sicherheit steht. Spielwaren, die damit ausgezeichnet sind, wurden auf Verletzungsgefahr und Schadstoffgehalt geprüft. Das CE-Siegel der EU dagegen ist kein Qualitätszeichen. Die Hersteller selbst bringen es auf ihren Produkten an und bestätigen so, dass sie den EU-Richtlinien entsprechen – eine unabhängige Prüfung findet nicht statt.

Seit einem Jahr ist die aktuelle EU-Richtlinie in Kraft, die Grenzwerte für Chemikalien und Schadstoffe in Spielwaren regelt. Von deutscher Seite aus gibt es deswegen seit Längerem Streit mit der EU-Kommission. Sowohl Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) als auch die Grünen und die FDP kritisierten diese Woche die zu hoch angesetzten Richtwerte. Gründe dafür scheint es zu geben: Das Bundesinstitut für Risikobewertung kam diese Woche zu dem Schluss, dass die Normen nicht ausreichen, um die Gesundheit der Kinder zu schützen. So erlaube die Richtlinie für Kinderspielzeug eine bis zu tausendmal höhere Konzentration der krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe als für Autoreifen.

Auch Verbraucherorganisationen stellen vielen Produkten für Kinder ein erschreckendes Zeugnis aus: Der traditionelle Vorweihnachts-Spielzeug-Test der Zeitschrift Ökotest kam zu dem Ergebnis, dass Kunststofffiguren als richtige »Schadstoffcocktails« bezeichnet werden können, sie enthielten Phthalate (Weichmacher) und krebsverdächtige Farbstoffe. Besonders Produkte, in denen PVC enthalten ist, gehören demnach nicht in Kinderhände. Die im PVC enthaltenen Phthalate stehen im Verdacht, in den Hormonhaushalt einzugreifen – das kann schwerwiegende Folgen, beispielsweise für die Geschlechtsentwicklung haben: Laut einer Studie der Uni Rochester (New York) führen sie zur »Verweiblichung« von Jungen.

Auch der TÜV warnte kürzlich besonders vor Billigspielzeug aus China. So entsprachen 21 von 31 getesteten Spielzeugen für unter zehn Euro nicht einmal den gesetzlichen Mindestanforderungen für Schadstoffe und Produktsicherheit. Da über die Hälfte aller hierzulande verkauften Spielwaren aus China stammt, wo weniger strenge Richtwerte gelten, sollten Verbraucher genau hinschauen. Häufig hilft eine Geruchsprobe – starke chemische Ausdünstungen sollten von einem Kauf abhalten.

Um nun Druck auf die EU zu machen, drohte Verbraucherschutzministerin Aigner diese Woche gar mit einem Importverbot für Spielwaren, die die deutschen Normen nicht erfüllten. Und langsam deutet sich ein Einlenken an: Ein Sprecher von Günter Verheugen, zuständiger EU-Industriekommissar, sagte, wenn Verschärfungen notwendig seien, werde die Kommission handeln.

Von negativen Meldungen verunsichert, greifen viele Verbraucher zu vermeintlich ökologischem Spielzeug. Aber auch hier lauert Unsicherheit: Derzeit gibt es kein unabhängiges Zertifikat, das Umweltfreundlichkeit und Schadstofffreiheit bescheinigt. Laut der Verbraucherinitiative Öko-Fair sollte ökologisches Spielzeug aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und energiesparend verarbeitet worden sein. Schadstoffarme Farben, Lacke und Kleber sollten selbstverständlich sein. Wenn das Spielzeug dann auch noch lange hält, steht dem Spielspaß nach dem Fest nichts mehr im Wege.

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