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Hoffnungen und Ängste

Galerie Pankow zeigt Kabinettausstellung zur Wende

Hoffnungen und Ängste

Allerorten wurde in diesem Jahr des 20. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer gedacht und auch viele Ausstellungen wurden pünktlich zum Jubiläum erarbeitet und gezeigt. Die Gruppenschau »blicke zurück nach vorn« in der kommunalen Galerie Pankow reiht sich thematisch in diesen Gedenkreigen ein, um zugleich inhaltlich und konzeptuell einen Sonderweg einzuschlagen. 15 Künstler aus Berlin und zumeist ostdeutscher Herkunft sind in der Kabinettausstellung vertreten mit historischen Kunstwerken, die die »›bleierne Zeit‹ vor und die Hoffnungen und Ängste nach dem Fall der Mauer« in sehr persönlichen künstlerischen Äußerungen spiegeln.

Es sind nicht die heiteren, euphorischen Töne freudiger Erwartungen und Hoffnungen, ausgelöst durch die politische Veränderung, die uns in den Werken visuell entgegentreten. Vielmehr scheint das Gewicht der Ungewissheiten und Ängste zentnerschwer auf den Menschen zu lasten, wie es besonders Trak Wendisch in seiner expressiven Holzskulptur »Kopfträger« (1990) zum Ausdruck bringt.

In extrem gebeugter Haltung schreitet oder verharrt seine lebensgroße, ausgezehrte, nackte Männergestalt mit übergroßen Händen und Füßen und wird zum Ausdrucksträger der beklemmenden Stimmung in der Zeit des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs.

Düstere Töne klingen auch in Mark Lammerts Bilderserie der »Wartenden« an (1988), die in der Zeit vor dem Mauerfall entstanden ist. Manfred Butzmann kommentiert in seinen Plakaten (1989- 1991) auf kritisch-provokative Art die Wende und erinnert beispielsweise an die Stalinverehrung in der DDR.

Marcel Odenbachs Videoarbeit und Gundula Schulze Eldowys Fotografien sind keine sachlich-nüchterne Dokumentationen des Umbruchs als vielmehr historisch vergleichende Analysen der verschiedenen Gesellschaftssysteme in Deutschland seit 1933. Denn, wie der Titel zum Ausdruck bringt, geht der Blick zurück nach vorn.

Die Ausstellung wurde gemeinsam von dem Kunsthistoriker und Kurator Eckhart Gillen – er war Bürgerpreisträger zur deutschen Einheit 2003 –, der Leiterin der Galerie Pankow Annette Tietz und der ehemaligen Galeristin Paula Böttcher in Kooperation mit der Kulturprojekte GmbH realisiert.

Lesenswert ist ein im Katalog abgedrucktes Gespräch, das die drei Organisatoren über die Ausstellung geführt haben. Es zeigt, dass die Herangehensweise geprägt ist von Fragestellungen und nicht von vorgefassten Meinungen, die mittels Kunst veranschaulicht werden sollen. Zumal in der Aufarbeitung deutsch-deutscher Geschichte weiterhin Aufklärungsarbeit und unvoreingenommene inhaltliche Diskussionen von Nöten sind, um allzu vereinfachenden Sichtweisen entgegen zu wirken.

Bis 2. Januar 2010, Galerie Pankow, Breite Straße 8, Pankow

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