Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Versuchung auf dem Emailleschild

Werbung für Süßigkeiten – in einer aktuellen Ausstellung im Heimatmuseum Reinickendorf

In jedem Fach Verlockungen verschiedener Art.
In jedem Fach Verlockungen verschiedener Art.

Blondgelockte Mädchen lächeln, Hausfrauen präsentieren elegant einen frisch gebackenen Kuchen, treue Hundeaugen leuchten und eine Familie trinkt genüsslich Kakao. Szenen, wie sie seit Jahrhunderten in der Werbung vorkommen. Mit einer kleinen Ausstellung erinnert das Heimatmuseum Reinickendorf jetzt an die Verlockungen der Reklame seit dem frühen 20. Jahrhundert.

»Vom Sarotti Mohr bis zur Hustenkaramelle – Süße Versuchungen in der Werbung« heißt die weihnachtliche Schau. Mehr als 200 große und kleine Objekte sind zu sehen: Emailleschilder aus den 1920er Jahren, farbig bedruckte Papierplakate oder ausgeschnittene Figuren. Ein kleiner Schornsteinfeger aus stabilem Material säubert beispielsweise eine Esse. Darüber steht geschrieben: »Befreienden Durchzug«. Die Verbraucher sollten damit auf besonders starke Hustenbonbons aufmerksam gemacht werden.

Gleich daneben werben Familien am Frühstückstisch für Malzkaffee oder das »Volksgetränk Herbaria«, was damals eine Art Sparkakao war. In den Vitrinen liegen Schokoladen, einige sogar im Eisenbahndesign. Es gibt viele Metalldosen zu sehen, sehr bunt, reichlich verziert und mit Goldrändern geprägt. Pfefferkuchen, Bonbons, Kekse, Kakao oder Puddingpulver wurden so verpackt. Firmen, die es auch heutzutage noch gibt, kann der Besucher entdecken. Leibnitz, Dr. Oetker, Vivil, Trumpf und Bärenmarke gehören dazu.

Mittenmang, in einer offenen Vitrine, sitzen und stehen gleich acht Sarotti Mohre. Sie sind unterschiedlich groß, aber deuten alle mit ihrem Zeigefinger nach oben. Außerdem gibt es jede Menge Plakate, auf denen der Mohr mit Turban und weiter Hose, ähnlich dem kleinen Muck, neben dem Weihnachtsmann steht. Auf anderen Plakaten nascht ein Engel eine Praline, trinkt ein Schneemann Kakao oder schwingen zwei sehr dicke Köche den Holzlöffel. Sofort klar wird dem Ausstellungsbesucher die einst propagierte Rollenverteilung: Geht es um Backpulver oder Pudding steht die brave Hausfrau im Mittelpunkt.

Zusammen getragen hat die aussagekräftigen Objekte Gerhard Pretzl aus Bayern. »Nur ein Teil seiner riesigen Sammlung – Stücke von 1890 bis in die 1950er Jahre aus Deutschland und Europa – zeigen wir«, sagt Praktikantin Nicole Posselt.

Auf einer Tafel ist nachzulesen, dass schon ab 1870 erste Markenartikel wie Maggi, Dr. Oetker oder Nivea versuchten, sich von anderen Produzenten abzuheben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Reklame zunehmend professioneller. Julius Maggi nutzte beispielsweise als einer der ersten emaillierte Schilder aus Stahl, um damit seine Produkte international bekannt zu machen. Vor allem in den 1950er Jahren waren diese Schilder verbreitet. Doch die Geburtsstunde des europäischen Marketing schlug schon etwas früher: Als nämlich in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Dr. Oetker das Backpulver einführte und die erste Markenstrategie in Deutschland umsetzte.

Heimatmuseum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, bis zum 31. Januar 2010; montags von 9 bis 13.30 Uhr, dienstags bis freitags und sonntags von 9 bis 16 Uhr. Eintritt frei.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln