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Man rauft sich – aber nicht zusammen

Zum Klimagipfel

Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen ist ein wahrhaft globales Ereignis: Hier tagt, tatsächlich, die Menschheit. Vertreter von 192 Staaten sitzen in Dänemark am Tisch: Exakt so viele Länder zählen die Vereinten Nationen als Mitglieder.

Was führt die große Familie in solcher Vollzähligkeit zusammen? Ist es wirklich die Annahme, wir säßen alle im selben Boot, wenn der Meeresspiegel steigt? Natürlich nicht. In Kopenhagen weiß man sehr genau, dass manchen Menschen nicht mal eine Schwimmweste zur Verfügung steht, während andere sich im Hochland ihres Wohlstands in relativer Sicherheit wähnen können. Anders gesagt: Es mag ja sein, dass der Inselstaat Tuvalu in den pazifischen Fluten versinkt, die Welt aber geht davon noch lange nicht unter.

Wer am Ende dieser Woche enttäuscht darüber sein wird, dass in Kopenhagen die Rettung des Planeten nicht beschlossen wurde, verkennt die Tatsache, dass die Existenz der Erde in absehbarer Zeit offenbar gar nicht gefährdet ist.

Wohl aber wird die Welt, wie wir sie kennen, sich durch den Klimawandel verändern. Zu wessen Nutzen? Auf wessen Kosten? Vor allem um Antworten auf diese Fragen ringt man am Konferenztisch. Es ist ein Streit zwischen Nationen und geopolitischen Lagern – ein Kampf der Egoismen. Kein weltumspannendes Menschheits-Wir rauft sich zusammen, um die Art zu erhalten. Man rauft sich untereinander. Auf dem Spiel steht noch nicht das Überleben der Menschheit, längst aber schon deren Zusammenhalt.

Dass die Vertreter der unterschiedlichen Interessen auf der Kopenhagener Konferenz überhaupt zusammenkommen, ist wohl zuvörderst der Angst des wohlhabenden Weltteils vor dem keimenden Unmut der Armen zu danken. Im Tippeltempo der Diplomatie müht man sich, die Raserei bevorstehender Kriege um Ressourcen und Lebensräume zu verhindern – oder wenigstens zu entschleunigen.

Den Entwicklungsländern freilich müssen die Zugeständnisse des »Westens« als Hohn erscheinen: Mit Geldgeschenken will man sie davon abhalten, eben jenen Weg zu gehen, der den reichen Ländern ihren Wohlstand erst beschert hat – einen Wohlstand zulasten der Umwelt. Dass die Natur sich nun für ihre Ausbeutung rächen könnte, mahnen ausgerechnet ihre ärgsten Schinder. Mit Reue hat das nichts zu tun.

Stünden tatsächlich globale, nicht »nur« lokale Katastrophen bevor, müssten die Fragen, die in Kopenhagen verhandelt werden, anders gestellt werden. Es ginge nicht länger darum, wer sich die Erde auf welche Weise zunutze machen darf, es ginge um das Eingeständnis, dass die Menschheit im Ringen mit der Natur nicht auf Dauer die Oberhand behalten kann. Nicht das Aufbegehren benachteiligter Nationen gegen bevorteilte wäre dann zu befürchten, sondern eine artbedrohende Revolte der Erde gegen ihre vermeintlichen Besitzer.

Für naturverbundene Völker, die fast allesamt Bewohner von Entwicklungsländern sind, mag das nicht gelten, für den an Wachstum und Wissenschaft orientierten Rest sehr wohl: Wir begreifen uns längst nicht mehr als Teil der Natur, sondern als ihr Gegenüber. Statt in Betracht zu ziehen, dass die Welt mehr sein könnte als die Summe ihrer Teile, gehen wir davon aus, dass wir die Reaktionen unseres Planteten vorausberechnen und steuern können – sofern wir uns nur einig werden.

Das ist das Dilemma dieser Klimakonferenz: Um den Machtkampf mit der Natur zu gewinnen, müsste die Menschheit ihre internen Machtkämpfe beilegen. Das wird ihr kaum gelingen. Die gemeinsame Zukunft der Menschheit ist gefährdet, weil es keine gemeinsame Gegenwart gibt.

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