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Tierische WG sucht neues Zuhause

Schicksal der Tiere des Lübecker Tierparks ist unklar / Therapie für Affen geplant

Demonstration gegen die katastrophalen Zustände im Lübecker Tierpark
Demonstration gegen die katastrophalen Zustände im Lübecker Tierpark

Katastrophale Verhältnisse in einem Lübecker Tierpark beschäftigen die Hansestadt seit Monaten. Im Mittelpunkt stehen zwei Affen, die in den Niederlanden therapiert werden sollen. Nun beschloss die Bürgerschaft, den Pachtvertrag mit dem Betreiber-Ehepaar zu kündigen. Was mit den Tieren geschieht, bleibt weiter unklar.

Seit Langem stand der Tierpark im Lübecker Stadtteil Israelsdorf in eher unrühmlichen Schlagzeilen. Die Stern-Studie »Zoos in Deutschland« gab ihm 2000 die Note »miserabel«. Dennoch verlängerte die Stadt 2001 den Pachtvertrag mit Waltraud und Günther Lehmensiek für das 2,8 Hektar große Gelände bis Ende 2011. »Der Leidensdruck der Tiere ist offensichtlich«, kritisiert Ursula Müller von der »Bürgerinitiative gegen den Tierpark Lübeck« (BTL). Es gebe »keine Rückzugsmöglichkeiten, ausgetrocknete Wasserstellen, keinerlei Grünfutter, keine Weide für die Hochlandrinder, nur Steine, Matsch und Schlamm«.

Am 26. November erreichte die Bürgerinitiative einen großen Erfolg: Eine Bürgerschaftsmehrheit aus SPD, LINKE, Grünen und Lübeck bunt beschloss auf Antrag der Grünen, den Pachtvertrag mit dem Betreiberehepaar umgehend zu kündigen und einen Plan zur Abwicklung des Tierparks zu erstellen. »Ein längst überfälliger Schritt«, begrüßte Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, die Entscheidung. »Der Tierpark ist politisch nicht gewollt«, kritisierte hingegen Umweltsenator Thorsten Geißler (CDU). Lange hatten die Lehmensieks sowie Tierparkbefürworter auf ein Engagement des Bäckermeisters Tim Sachau gehofft, der sich für seine Idee eines »Hanse-Zoos« am Gelände interessiert zeigte. Am 9. November stieg er aber aus den Verhandlungen aus.

Nun geht es darum, was mit den etwa 220 Tieren in Israelsdorf geschieht. Zum Beispiel den beiden über 30-jährigen Schimpansen Bimbo und Konga, denen ethologische Gutachten schwerste Schäden bescheinigen, etwa Hospitalismus, Bulimie und Überaggressivität. Die Bürgerinitiative bemüht sich seit Längerem, die beiden Primaten in der Auffangstation AAP Sanctuary for Exotic Animals im niederländischen Almere unterzubringen, wo sie zwei bis vier Jahre therapiert werden könnten. »Dorthin wandern viele Tiere, wenn sie nicht mehr ausgestellt werden können, weil ihr Zustand für Unmut bei den Besuchern sorgt«, erklärt Tierrechtlerin Müller und fordert: »Dieser Kreislauf muss unterbrochen werden.«

Im Januar 2009 gab es bereits eine Zusage der Auffangstation, mittlerweile sind Bimbo und Konga aber wieder auf die Warteliste gerutscht. »Es muss alles versucht werden, um die Primaten zu vergesellschaften«, bekräftigt Müller. Vor dem vierten Quartal 2010 werde aber wahrscheinlich kein Platz frei.

Bis zum Ende des Pachtvertrages 2011 bleiben die Tiere im Besitz des Ehepaars Lehmensiek, das für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Die Bürgerinitiative will auf die Betreiber zugehen und möglichst viele Tiere vermitteln. »Unser Ziel ist, dass kein Tier in einen anderen Zoo kommt«, erklärt Sprecherin Müller.

Schlimmstenfalls droht den Lübecker Tieren aber der Schlachthof: Falls der Tierpark noch vor seiner Abwicklung Konkurs anmelden muss und nicht mehr die Lehmensieks, sondern ein Insolvenzverwalter über die Tiere bestimmt. Kurt Simons, Vorsitzender des Vereins Menschen für Tierrechte, forderte daher, »dass die Verwaltung bei der Umsetzung des Beschlusses alle Möglichkeiten des Tierschutzgesetzes aufgreift und Tiere bereits vor der Schließung tierschutzgerecht unterbringt«. Auch die BTL verlangt die medizinische Betreuung der Primaten und des Braunbären Bruno – sowie ein Gutachten, inwieweit die betroffenen Tiere für eine Umsiedlung transportfähig sind.

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