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Paradoxe Wahrheit

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 1 Min.

Der Chef von Continental hat ihn vor einiger Zeit erstmalig verwendet, Manager von Opel und anderen Konzernen zogen in den vergangenen Wochen mehrfach nach. Es geht um einen Begriff, den man eine erschreckend ehrliche Lage-Vokabel nennen darf: »Verschnaufpause«.

Das meint den Zustand, in dem sich Arbeiter befinden, wenn sie noch Arbeit haben. Der Zeitraum zwischen Tarifverhandlungen sowie alle Bündnisse von Arbeit und (noch) gültige Job-Vereinbarungen sind – Verschnaufpause. Paradoxe Wahrheit: Die Arbeit ist die Pause. Zur eigentlichen Haupttätigkeit aber geriet, im Dschungel des fortwährenden Strukturwandels, jener Atemnot produzierende Kampf um den Erwerb, jene atembeklemmende Furcht um den Arbeitsplatz. So lange das Management die nächste schlimme Nachricht über Maßnahmen zur »Gewinnoptimierung« noch nicht bekannt gegeben hat, darf die Belegschaft alle Ungewissheit als Geschenk empfinden – das man Verschnaufpause nennt. Soldaten ähnlich, die in Schützengräben nach Luft schnappen. Der nächste Angriff kommt, der nächste Schuss kann dich treffen.

Arbeit, noch immer wesentlicher Existenzmotor, als Pause – die traditionelle Sinnverdrehung von Arbeitgeber und -nehmer erklomm damit eine neue Stufe.

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