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Ruinöse Modernisierung

Viele kleinere Kinos können die anstehende digitale Umstellung nicht alleine schultern

  • Von Katharina Dockhorn
  • Lesedauer: 3 Min.

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»City of Cinema« möchte Berlin werden und wirbt bei der UNESCO um diesen Titel mit seiner weltweit einmaligen Mischung aus Kiezkino, Programm und Arthouse-, sowie Premierentheatern, in denen wöchentlich mehrmals der Rote Teppich für die Stars aus aller Welt ausgerollt wird. Bevor jedoch der Antrag geprüft ist, sind die Grundlagen in Gefahr zu verschwinden. Die 60 Filmtheater der Stadt, die ein Programm abseits des Hollywoodmainstreams bieten, können den Sprung ins digitale Zeitalter aus eigener Kraft nicht schaffen. Die Investitionssumme für die technische Umstellung von der traditionellen 35-mm-Kopie auf digitale Speichermedien können sie mit ihren Einnahmen nicht erwirtschaften. Für die Hardware alleine werden zwischen 65 000 bis 80 000 Euro fällig, dazu kommen 10 000 Euro für die Installation der Geräte, teure Wartungsverträge sowie Umbauten im Vorführraum. 100 000 Euro sind da schnell zusammen.

Mit ihren Sorgen sind die Kinobesitzer der Hauptstadt nicht alleine. Bundesweit müssen 4800 Leinwände umgerüstet werden und nur die Multiplexketten haben das »Kleingeld« für die notwendigen Investitionen. Deshalb wurde zwei Jahre lang versucht, eine finanzielle Allianz aus Kinos, Verleihern, Bund und Ländern zu schmieden, um alle Kinos mitzunehmen.

309 Millionen sollte das Modell kosten, die Kinos selbst wären nur mit 54 Millionen zur Kasse gebeten worden. Zugesagt waren auch 30 Millionen Steuermittel von Bund und Ländern.

Gescheitert ist die Einigung ausgerechnet an einem Teil der Nutznießer. Die im Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) organisierten Multiplexketten und mittelständischen Kinos lehnen die Finanzspritzen ab.

Noch braucht aber kein Kinogänger in Berlin und Brandenburg um das geliebte Haus an der Ecke zu fürchten. Trotz knapper Kasse bekennen sich die Politiker beider Länder zur Erhaltung des Kinos als kultureller Ort, an dem der Film erst seine volle Magie entfalten kann. In Berlin sah das im April noch anders aus – damals hatten Abgeordnete der SPD gewarnt, dass kein Geld für diese Aufgaben in den Etatansätzen der kommenden Jahre eingeplant sei.

Jetzt arbeiten die Landesregierungen an Alternativen, die im Januar vorgestellt werden. Inhaltliches Vorbild ist das seit August in Bayern erfolgreich erprobte Modell, Filmtheater mit einem hohen Anteil deutscher und europäischer Filme oder mit kulturell anspruchsvollen Programmen, zu denen auch die Pflege des Kinderfilms gehört, finanziell bei der Umrüstung zu unterstützen. Auch Häuser, die kommunikativer Treffpunkt und oft der einzige kulturelle Anlaufpunkt eines Ortes sind, werden gefördert. Ausgeschlossen sind einzig Multiplexe mit mehr als sechs Sälen.

Die Arthouse- und Off-Kinoszene Berlins könnte dann ebenso aufatmen wie etablierte Kiezkinos wie das Weißenseer Toni oder der »Blaue Stern« in Pankow. Doch das finanzielle Engagement der Länder alleine reicht nicht, betont Christian Breuer von der AG Kino, dem Verband der deutschen Arthouse-Szene. Die Länder werden jeweils nur einen Teil der Kosten übernehmen können, auf dem Rest würden die Kinos sitzen bleiben. Das Geld haben die Kinobetreiber nicht, auch wenn sie investieren wollten. Deshalb hofft Breuer weiter auf die finanzielle Solidarität von denen, die mit der Digitalisierung Millionen einsparen, den Produzenten und vor allem den Verleihern. Sie waren bislang bereit, bei einem flächendeckenden Modell der Digitalisierung die Hälfte der Kosten zu übernehmen.

Auf deren Hilfe hofft Breuer bei den laufenden Verhandlungen. Und alle setzten auch weiter auf Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der die 30 Millionen Euro, die sein Ministerium bislang für die Kinodigitalisierung reserviert hat, sicher nicht an Finanzminister Schäuble zurückgeben will.

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