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Die Deutsche Bahn will London anfahren

Offenbar Interesse an ICE-Direktverbindung und am Einstieg bei Eurostar

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Deutsche Bahn (DB) könnte auf dem britischen Markt für Schienenpersonenverkehr schon bald massiv einsteigen – mit dem Hochgeschwindigkeitszug ICE und einem Einstieg bei dem Unternehmen Eurostar, dessen Züge London mit Paris und Brüssel verbinden.

Eurostar ist ein britisch-französisch-belgisches Gemeinschaftsunternehmen und betreibt die Personenzüge durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal. Bislang blieb deutschen ICE-Zügen aufgrund strikter Sicherheitsauflagen der Zugang zum Tunnel versperrt. Dies werde mit einer zu erwartenden Änderung der Feuerschutzbestimmungen hinfällig, berichtete kürzlich die »Financial Times Deutschland«. Außerdem suche der staatliche britische Eurostar-Miteigentümer London&Continental Railways (LCR) dringend einen Käufer für seinen 40-prozentigen Anteil an Eurostar.

Bahnreisende zwischen Köln und London müssen derzeit in Brüssel Süd umsteigen und sich dort vor dem Einstieg in den Eurostar einem Eincheck-Prozedere wie auf einem Flughafen unterziehen. Laut DB-Chef Rüdiger Grube ist die Verbindung Köln-Brüssel-London »hochattrakiv« und könne mit einer Million Fahrgäste pro Jahr rechnen. Die Bahn habe von der für die Sicherheit im Kanaltunnel zuständigen Aufsichtsbehörde noch keine offizielle Zusage erhalten, erklärte ein DB-Sprecher auf ND-Anfrage. Für die Londoner Behörde bestätigte Richard Clifton dem ND, die Deutsche Bahn habe in dieser Sache mit seinem Hause erste Gespräche geführt. Ein offizieller Antrag sei jedoch noch nicht eingegangen.

Berichte über ein Interesse der DB an Eurostar-Aktien wollte der Bahnsprecher nicht kommentieren. Aber Beobachtern zufolge würde ein solches Investment dem Drang der DB-Manager nach europaweiter Expansion und Eroberung neuer Märkte entsprechen. Gegen einen Einstieg der DB bei Eurostar hatte sich bisher die französische Staatsbahn SNCF gesträubt, die sich ebenfalls Hoffnungen auf eine Vorherrschaft auf dem kontinentaleuropäischen Schienenmarkt macht.

Ein Verkauf der LCR-Aktien durch die britische Regierung käme einer Privatisierung des letzten staatlichen Bahnunternehmens auf der Insel gleich, kritisiert indes die britische Bahngewerkschaft RMT. Sie verweist auf einen massiven Kahlschlag, den die DB-Güterbahn seit dem Erwerb des britischen Konkurrenten EWS angerichtet habe. Um den ICE ohne teure Nachrüstung durch den Eurotunnel fahren zu können, dränge die DB auf eine Verwässerung der hohen Sicherheitsstandards bei Brandschutz und Evakuierungsplänen, bemängelt RMT-Sekretär Mick Lynch. Absichten der DB wie auch der französischen Fluggesellschaft Air France, London mit eigenen Zügen in Konkurrenz zum Eurostar zu bedienen, beschleunigten die Angriffe auf Löhne und Arbeitsbedingungen, warnt die RMT.

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