Werbung

Ein Schock für die Linke

Heute vor 30 Jahren starb Rudi Dutschke im dänischen Århus

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Berlin (Agenturen/ND). Als Rudi Dutschkes Tod bekannt wurde, war für viele das Weihnachtsfest vorbei. Sein Tod am Heiligabend 1979 schockierte Linke und Studenten, außerparlamentarische Opposition und erstarkende Ökologiebewegung. Dutschke war die Ikone dieser Szene. Seit dem Anschlag auf sein Leben, elf Jahre zuvor, war er lange aus der Öffentlichkeit verschwunden. Doch Ende der 70er Jahre schien er zurückzukehren auf die politische Bühne der Bundesrepublik, von der er jahrelang nicht fortzudenken war.

Rückblick: Am Gründonnerstag 1968 kommt der 23-jährige Anstreicher Josef Bachmann mit dem Interzonenzug aus München am Bahnhof Zoo an. »Wissen Sie, wo Rudi Dutschke wohnt?«, fragt er den Taxifahrer, der ihn zur Zentrale des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) am Kudamm fährt. Um 16.30 Uhr sieht Bachmann dort einen Mann mit einem Damenfahrrad aus dem Hausflur kommen. »Sind Sie Rudi Dutschke?« »Ja.« »Du dreckiges Kommunistenschwein«, schreit Bachmann und schießt. Dutschke stürzt vom Fahrrad und ruft »Soldaten, Soldaten!«. Nach neuen Erkenntnissen ist Bachmann kein Einzeltäter, sondern hat enge Beziehungen zu einer rechtsradikalen Gruppe. Die Schüsse beschädigen Dutschkes Hirn, er erlernt nur mühsam wieder zu sprechen.

Als Soziologiestudent an der Freien Universität hatte sich der in Brandenburg geborene Dutschke 1963 der »Subversiven Aktion« angeschlossen, die 1964 im SDS aufging. Der SDS war Motor der außerparlamentarischen Opposition (APO), und Dutschke – sein Markenzeichen war der gestreifte Wollpulli – mit seinen radikal-sozialistischen Ideen eine der herausragenden Figuren.

Dutschkes Ausstrahlung, seine Redekunst und die unerbittliche Haltung im Kampf für seine Ziele waren die Eigenschaften, die ihn in der noch jungen BRD für die einen zum Star, für die anderen zur Hassfigur machten. Niemand verkörperte wie er das Aufbegehren der Jugend gegen die Nachkriegsgesellschaft, die es sich in Wirtschaftswunder und Westanbindung bequem gemacht hatte. Weder NS-Zeit noch Krieg, weder deutsche Teilung noch soziale Ungleichheit wurden diskutiert. Die Deutschen waren froh, da zu sein, wo sie waren, doch für Dutschke war das nicht genug. Er lebte für die große Idee.

Dutschkes Ziel war die Befreiung des Individuums aus den Zwängen »von Ökonomie, von Politik, von Öffentlichkeit«, die totale Revolution, zum Zweck eines gerechten und glücklichen Lebens, wie er 1965 schrieb.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen