»Gültig für einmalige Reise nach Pristina«

10 000 in Deutschland lebende Roma müssen ihre Abschiebung nach Kosovo befürchten, doch was wird dort aus ihnen?

  • Von Detlef D. Pries, Mitrovica und Pristina
  • Lesedauer: ca. 8.0 Min.

Die deutsche Bundesregierung hat angekündigt, in den nächsten Jahren schrittweise 14 000 »ausreisepflichtige« Kosovaren abzuschieben. Rund 10 000 davon sind Roma. Sie gelten als die am meisten benachteiligte und »verwundbarste« Minderheit in Kosovo, denn sie haben weder eine Lobby noch ein »Mutterland«.

Fatima Hajdari (r.) lebte vor der Abschiebung mit Eltern und Geschwistern neun Jahre lang in Deutschland.

Markttag in Kosovska Mitrovica oder Mitrovicë, wie es albanisch heißt. Brennholz und Kartoffeln, riesige Kohlköpfe und gebrauchte Mobiltelefone sind im Angebot. Burim Nebihu steuert den Jeep des Dänischen Flüchtlingsrates (DRC) vorsichtig durch das Marktgedränge. Als die Trauben von Händlern und Kunden passiert sind, öffnet sich der Blick auf eine weite Fläche, auf der zwei oder drei Ruinen, ein paar neue, ansehnliche Mehrfamilienhäuser und eine Reihe ziegelroter, unverputzter Gebäude unterschiedlicher Form und Größe verteilt sind. Kinder tollen auf freien Plätzen, einige mit halbnacktem Bauch, was nicht weiter bemerkenswert wäre, wenn kein Schnee läge und das Thermometer nicht Minusgrade anzeigte.

Roma-Mahalla heißt die Siedlung südlich des Flusses Ibar, der Mitrovica heute faktisch in einen serbischen (nördlichen) und einen albanischen (südlichen) Teil trennt. Das Wort »Mahalla«, ein Erbe aus der Zeit osmanischer Besetzung, kommt aus...

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