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Manipulation der Öffentlichkeit

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Moderne PR- und Kommunikationsexperten sprechen dann von »nation branding«, wenn es der Regierung eines Landes darum geht, ihrem Land ein Image zu verpassen. Und also rast dann zwischen den verschiedenen nationalen Kapitalien ein immer heftigerer Kampf um ihren individuellen Raumanteil an einem globalisierten Markt. Ein Image soll ein Land zu etwas Besonderem vor allen anderen Ländern machen. So verpasst zum Beispiel der englische Werbegigant Saatchi & Saatchi der neuen (völkerrechtlich kaum anerkannten) Nation Kosovo gerade jetzt das Image eines Landes, das stolz auf seine »junge europäische Identität« sein kann, das ägyptische PR-Unternehmen ZAD-Group will aus Ägypten ein liberales Paradies für ausländische Investoren machen und die US-amerikanische Top-Agentur Hill & Knowlton, Teil des globalen Kommunikationsriesen WPP, zeichnete dafür verantwortlich, dass die chinesische Olympiade von 2008 so bunt, dynamisch und froh daher kam.

Wenn man schon Nationen einen einmaligen und unverwechselbaren Brandstempel wie einem Pferd an dessen Hintern einbrennen kann, dann kann man das auch mit Kriegen machen. Und so lassen sich für viele Kriege ganz spezielle »war brandings« entdecken, die sich von Krieg führenden Regierungen beauftragte PR-Agenturen systematisch und gegen Honorar ausgedacht haben, um die Weltmeinung, vor allem aber um die öffentliche Meinung innerhalb der USA, im Sinne ihrer Auftraggeber politisch zu beeinflussen. Bei Texten sind hier sich immer wiederholende Signalwörter wichtig, ähnliches gilt für Bilder, die sich im Erfolgsfall sogar zu Ikonen verwandeln können, die man nie wieder vergisst.

Im Biafra-Krieg 1967 waren die Signalwörter »Völkermord« und »Hunger«, nach dem irakischen Überfall auf Kuwait von 1991 wurde Saddam Hussein zu einem Wiedergänger von »Adolf Hitler« gemacht, den Bosnienkrieg ein Jahr später dominierten die beiden Signalwörter »Konzentrationslager« und »Auschwitz« und der 5-Tage-Krieg in Georgien im August 2008 wurde durch die »nette« Erzählung begleitet, »der russische Bär erdrücke brutal eine kleine hilflose Demokratie«.

Als Student der Kommunikationswissenschaft lernt man schon im ersten Semester, dass der Kommunikationsfluss zwischen Sender und Empfänger höchst komplex ist und dass man dabei keineswegs von simplen Manipulationsmodellen ausgehen könne. Einerseits: Wie wahr! Gleichzeitig trifft aber auch die Erkenntnis zu, dass manche Kommunikationsflüsse sehr simplen Wirkgesetzen gehorchen und schlicht und einfach manipulieren. Andererseits eben auch: Wie wahr! In Kriegszeiten manipulieren viele PR-Agenturen die Weltöffentlichkeit massiv und höchst erfolgreich im Interesse von Krieg führenden Regierungen.

Den PR-Krieg für den kriegslüsternen georgischen Präsidenten Michael Saakaschwili im Sommer 2008 etwa führte die Brüssler PR-Agentur aspect consulting. James Hunt, einer der Geschäftsführer von aspect, gilt in der PR-Branche als exzellenter »Mann fürs Grobe«. In der globalen Medienöffentlichkeit hat er schon so manches Meisterstück abgeliefert: Während der Brent Spar-Krise 1995 half er erfolgreich dem Öl-Multi Shell und in der BSE-Krise 2000 schaffte er es, McDonald's aus den negativen Schlagzeilen herauszuholen.

Was tun? Ich wünschte mir für Deutschland Gesetze wie in den USA. Seit 1938 müssen alle einheimischen PR-Agenturen, die für eine ausländische Regierung arbeiten, die wichtigsten Vertragsbestandteile im US-Justizministerium hinterlegen, und nach dem Smith Mundt-Act von 1948 darf Geld des amerikanischen Steuerzahlers von der eigenen Regierung nie dazu verwendet werden, Propaganda und PR-Arbeit gegenüber dem eigenen Bürger zu betreiben.


Der Autor ist Medienwissenschaftler und lebt in Solingen.

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