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Kaum Hoffnung auf ein Wintermärchen

Deutschlands Handballer testen heute in Österreich für die in zwei Wochen beginnende EM

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Sie trainieren erneut in Herrsching am Ammersee. Dort, in der Idylle westlich von München, hatte Bundestrainer Heiner Brand die Handball-Nationalmannschaft bereits 2007 zusammengezogen, um sich auf die WM im eigenen Land vorzubereiten. Bekanntlich schrieb dieses Turnier dann das »Wintermärchen«. Der wundersame Weg zum ersten WM-Titel seit 1978 elektrisierte die deutsche Öffentlichkeit: Über 20 Millionen TV-Zuschauer verfolgten damals das furiose Finale in der Kölnarena gegen Polen (29:24). Neun Weltmeister sind noch dabei, wenn die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) heute in der Olympiahalle Innsbruck ihr erstes Testspiel gegen Österreich bestreitet.

Die Euphorie von damals ist freilich verflogen. Vor der 9. Europameisterschaft in Österreich, die am 19. Januar beginnt, stapelt der Bundestrainer tief. Das stets erklärte Ziel vor großen Turnieren, die Qualifikation für das Halbfinale, wäre laut Brands Einschätzung diesmal nicht weniger als ein Wunder. »Bei der EM haben wir eine hammerschwere Gruppe erwischt, da bedarf es schon einer guten Form, um da gegenhalten zu können«, sagte er vor der ersten Trainingseinheit.

Doch nicht nur die hochkarätigen Vorrundengegner Polen, Slowenien und Schweden lassen Vorsicht walten. Auch in der Hauptrunde hätte man einiges zu befürchten: Dort warten mit Olympiasieger Frankreich und Spanien die großen EM-Favoriten. Beide Teams verfügen mit Welthandballer Thierry Omeyer (Frankreich) und dem eingebürgerten Arpad Sterbik (Spanien) über die besten Torhüter dieses Planeten.

Brand steht erneut eine Gratwanderung zwischen Belastung und Regeneration bevor. Haben die meisten Profis doch bereits brutal viele Spiele in den Beinen. »Wir sind sicherlich am Limit«, klagt das 57-jährige Traineridol aus Gummersbacher. »So wie der Spielplan aufgebaut ist, müsste man sich über Veränderungen Gedanken machen. Aber da muss man auch ein bisschen kreativ sein und ein Spiel mehr in der Woche machen, so dass man dann eine Erholungspause einlegen kann. Das ist aber schwer zu lösen, weil alle ihre Interessen einbringen. Wenn ich die aufgeblähte Champions League sehe, dann fehlt mir das Verständnis dafür.«

In den verbleibenden zwei Wochen, in denen Brand den 19er-Kader um drei Profis verkleinern muss, kommt es auf psychologische Aufbauarbeit an. Nur wenige Stammkräfte des Teams haben in der Bundesliga-Hinrunde überzeugende Leistungen angeboten. Zu ihnen zählten Torsten Jansen und Matthias Flohr (beide HSV) sowie die Göppinger Michael Haaß und Lars Kaufmann, der mit 123 Feldtoren erfolgreichste Schütze der Bundesliga.

Viele Schlüsselspieler jedoch präsentierten sich in wenig meisterlicher Form. Allen voran Kapitän Michael Kraus (TBV Lemgo), bei dem sich grandiose Auftritte mit schwachen Leistungen abwechselten. Sein Klubkollege, Rückraum-Linkshänder Holger Glandorf, spielte teils ohne Selbstvertrauen, zeigte aber zuletzt wieder ansteigende Form. Und auch den Torhütern Johannes Bitter (HSV), Carsten Lichtlein (Lemgo) und Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) fehlte die Konstanz.

Es spricht also wenig für eine glorreiche Siegesserie der deutschen Handballer in Österreich. Andererseits haben die deutschen Profis am kommenden Wochenende gegen Vize-Olympiasieger Island (in Nürnberg und Regensburg) sowie am 13. Januar gegen Brasilien (in Mannheim) noch die Möglichkeit, das nötige Selbstvertrauen zu gewinnen, um das härteste Turnier der Welt erfolgreich zu bestreiten. Und auch die Erfahrung von 2007 und bei der EM 2004 dürfte helfen: Damals spielte das Brand-Team schlechte Vorbereitungspartien und ging als krasser Außenseiter in die Turniere – und triumphierte am Ende doch.

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