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Viel Schnee von gestern

Martin Kröger kämpft sich mit dem Rad zur Arbeit

Wie hat sich der Radverkehr in der Hauptstadt doch in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Kein Wunder, ist man bei BVG-Streik, S-Bahn-Chaos und Dauerstau mit dem Velo gerade in der Innenstadt besser unterwegs: Rund 13 Prozent der Wege werden im Jahresschnitt in Berlin inzwischen mit dem Rad zurückgelegt. Und an dieser Stelle muss auch mal der rot-rote Senat gelobt werden, der mit seiner Politik, das Radverkehrsnetz massiv auszubauen, durchaus die Grundlage für diese ökologische Wende im Verkehr gelegt hat.

Um so ärgerlicher allerdings der gegenwärtige Zustand: Das für gutes Geld ausgebaute Netz ist zur Zeit schlicht nicht zu benutzen. Weder sind die Radwege oder Angebotsstreifen geräumt noch eisfrei gemacht. Obwohl es doch im ersten Paragrafen des Berliner Straßenreinigungsgesetzes lautet, »... zu den zu reinigenden Oberflächen gehören insbesondere ... Radwege«. Stattdessen erwarten den kälteresistenten Biker zu Harteis gefrorene Schneeberge, die sich keineswegs mehr mit Spaß und Schwung durchpflügen lassen wie an dem Tag, als der Schnee fiel. An anderen Stelle bietet angetauter Schneematsch Fläche für unfreiwillige Rutschtests.

Wer angesichts dieser widrigen Bedingungen legal auf die geräumte Straße ausweicht, sieht sich unter anderem mit eng schneidenden Reisebussen konfrontiert, deren Fahrtwind auf dem rutschigen Grund zu lebensgefährlichen Situationen führt. Doch was bleibt anderes übrig, um mit dem Rad unterwegs zu sein? Ein schwacher Trost indes: Den armen Fußgängern, so verrät der Blick auf deren Wege, geht's auch nicht besser.

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