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Pflegekräfte am häufigsten krank

Erster Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg vorgestellt

In den ländlichen Regionen Brandenburgs leben die Arbeitnehmer gesünder als in der hektischen Hauptstadt Berlin. Diese Annahme mussten Gesundheitsexperten der Krankenkassen AOK und BEK nach einer Untersuchung revidieren. Im Durchschnitt lag die Dauer der Krankschreibungen 2008 überall in der Region bei 13,3 Tagen.

»Damit hat sich gegenüber dem Vorjahr nichts geändert«, stellte Gerd Westermayer von der Gesellschaft für Betriebliche Gesundheitsförderung fest. Westermeyer legte gestern gemeinsam mit Vertretern der beiden Krankenkassen den ersten Gesundheitsreport für Berlin und Brandenburg vor. Der Bericht wurde gemeinsam mit dem Gesundheitsnetzwerk HealthCapital erarbeitet. Die regionalen Unterschiede der Krankenstände zwischen Berlin und Brandenburg seien nur schwach ausgeprägt, hieß es weiter. Für den Gesundheitsbericht wurden die Krankmeldungen von rund 620 000 Arbeitnehmern anonym ausgewertet. Das ist nach Angaben von AOK und BEK fast ein Viertel aller Arbeitnehmer in Berlin und Brandenburg.

Auffallend ist der 100 Seiten starken Untersuchung zufolge allerdings, dass mit 12,4 Prozent die meisten kranken Arbeitnehmer der Region in der Gesundheitsbranche und im Sozialwesen beschäftigt sind, allen voran Krankenschwestern und -pfleger sowie Hebammen, gefolgt von Kita-Erzieherinnen, Lehrerinnen und Lehrern. »Das liegt an den hohen psychischen Belastungen«, so Frank Michalak, Vorstandsvorsitzender der AOK Berlin-Brandenburg. Auch Reinigungspersonal sei hohen Belastungen ausgesetzt. Insgesamt sei der Krankenstand in Berlin und Brandenburg seit 2006 kontinuierlich angestiegen. 2008 sei das mit 4,7 Prozent deutlich mehr gewesen als im Bundesdurchschnitt (3,4 Prozent).

Die Kassen führen das darauf zurück, dass viele Arbeitnehmer trotz Leiden wie ständiger Rückenschmerzen eine Krankschreibung erst einmal hinauszögern, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden. »Wenn aus diesen Rückenschmerzen dann aber zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall wird, kommen die Menschen nicht mehr umhin, zum Arzt zu gehen«, sagte Hermann Schmitt, Landesgeschäftsführer der Barmer Berlin-Brandenburg. Dann schnellt die Anzahl hoch. Depressive Stimmungen, Rückenschmerzen, Muskel- und Skelettbeschwerden seien die häufigsten Krankheiten. So sei ein beunruhigender Anstieg der psychischen Erkrankungen von 10,4 Prozent im Jahre 2006 auf 12,4 Prozent im vergangenen Jahr registriert worden. Der Anstieg psychosomatischer Störungen sei stressbedingt, so ein Ergebnis des Berichts. Der Trend für 2009 gehe in dieselbe Richtung.

Die Empfehlung, um diesen Krankheiten entgegen zu wirken: Ein positives Arbeitsklima solle geschaffen werden, so der Wunsch der Fachleute. »Wenn es große Probleme gibt, gehen wir auch in die Betriebe«, meinte Michalak. Der »Drehtüreffekt« müsse vermieden werden: Kaum seien die Menschen an ihrem Arbeitsplatz, würden sie oft schnell wieder krank, so die Erkenntnis der Gesundheitsvertreter. Bei den Erzieherinnen in den Kindertagesstätten beispielsweise müsse die tägliche Belastung analysiert werden.

»Eines wird sehr deutlich: Arbeitsbedingungen haben ganz offensichtlich einen stärkeren Einfluss auf die Gesundheit von Mitarbeitern, als dies bisher anzunehmen war«, stellten die Experten in ihrem Bericht offensichtlich ganz überrascht fest. »Gerade die Mitarbeiter der großen Dienstleistungsbranchen aus Verwaltung und Gesundheitswirtschaft scheinen von neuen psychischen Belastungen massiv betroffen zu sein«, wird in dem Report formuliert.

Das Resümee der Gesundheitsmanager: Während früher physikalische und ergonomische Bedingungen und Arbeitssicherheitsfragen im Zentrum von Prävention und Gesundheitsförderung standen, verschiebt sich heute das Belastungszentrum mit der Veränderung der Tätigkeiten hin zur Kommunikation. Dienstleistung sei in erster Linie Kommunikation und diese könne mehr oder weniger belastend wirken.

  • Die höchsten Krankenstände in Berlin hatten 2008 die Bezirke Neukölln und Reinickendorf mit über fünf Prozent, in Brandenburg war es die Stadt Frankfurt (Oder) mit 5,3 Prozent und Cottbus (5 Prozent).
  • Am seltensten waren im selben Zeitraum die Beschäftigten in Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau krankgeschrieben (je 1,1 Prozent).
  • Die 55- bis 59-Jährigen hatten 2008 mit 6,6 Prozent den höchsten Krankenstand. Am wenigsten krankgemeldet waren die 25- bis 29-Jährigen (3,1 Prozent) und die 30- bis 34-Jährigen (3,2 Prozent).
  • Nach Berechnungen der Krankenkassen lassen sich durch jeden Euro, der in die Gesundheit der Mitarbeiter investiert wird, später drei bis fünf Euro einsparen. Fehlzeiten ließen sich den Untersuchungen zufolge sogar um das Zwei- bis Zehnfache senken.
  • Quelle: Gesellschaft für Betriebliche Gesundheitsförderung

www.bgf-berlin.de

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