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S-Bahn setzt auf mehr Personal

Eine größere Belegschaft und mehr Werkstätten sollen Züge wieder ins Rollen bringen

  • Von Nissrine Messaoudi
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das hätte man sich lieber gespart: Verschrottung von S-Bahn-Zügen.
Das hätte man sich lieber gespart: Verschrottung von S-Bahn-Zügen.

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Das dachte sich auch die S-Bahn und gab am Freitag vor Journalisten zu, dass »für unsere Fahrgäste und für uns das neue Jahr sehr schlecht begonnen hat«. Daran, so der Sprecher der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin, Peter Buchner, gebe es nichts zu beschönigen. »Es tut uns außerordentlich leid, für jeden, der in dieser Kälte auf seine Bahn warten muss«, betonte Buchner. Technische Probleme und der Kälteeinbruch hätten zu den Beeinträchtigungen geführt

Eine Verbesserung der aktuellen Lage soll durch mehr Personal und durch die Öffnung bislang nicht genutzter Werkstätten erreicht werden. »Zu den rund 2800 festen Mitarbeitern sind nun 300 zusätzliche Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen des DB-Konzerns hinzugekommen«, erklärte Heiner Wegner, Vorsitzender des Betriebsrats. Außerdem seien 22 Auszubildende 2009 übernommen worden, 2010 werden es weitere 19 sein. Insgesamt arbeiten über 560 Personen in den Werkstätten und im Bereich der Instandhaltung. Damit künftig auch wieder mehr Fahrzeuge fahren können, werden neben der Bestandsgarantie für die Werkstatt Schöneweide bis 2017 noch andere Standorte genutzt. »Ab Montag nimmt der Betrieb in Friedrichsfelde die Arbeit auf. Der Standort Erkner wird künftig für Reparaturen genutzt und schließlich wird im Werk Oranienburg ein 24-Stunden-Betrieb aufgebaut«, bekräftigte Buchner.

Ab wann der Normalbetrieb wieder laufe, sei jedoch erst Ende Januar absehbar. Es sei nicht nur im Interesse der Kunden, schnellstmöglich für ein reibungsloses Verkehrsangebot zu sorgen, sondern auch im Interesse der Bahn. 2009 habe die S-Bahn nämlich rote Zahlen geschrieben. »Dass es nicht zu weitaus schlimmeren Situationen gekommen ist, haben wir der Belegschaft zu verdanken«, räumte Buchner ein. Mit insgesamt 40 000 Überstunden (2009) und Urlaubsverschiebungen haben die Arbeiterinnen und Arbeiter Schlimmeres verhindert.

Um so ärgerlicher sei es, dass sich der Frust der Fahrgäste auf diese entlädt. »Sowohl die Lokführer als auch das Personal am Servicetelefon und die Aufsicht auf den Bahnsteigen sind teilweise wüsten Beschimpfungen ausgesetzt«, monierte der Betriebsrat. Einmal mehr müsse die Belegschaft den Schaden ausbaden, für den sie nicht verantwortlich sei.

Die Schuld sieht der Betriebsrat allerdings nicht bei der S-Bahn selbst, sondern bei der Geschäftsführung der Deutschen Bahn. »Wir haben den Konzern lange vor so einer Situation gewarnt. Es hat zwölf Monate gedauert, ehe die Verantwortlichen reagiert haben«, so der Betriebsratsvorsitzende Wegner. Die Äußerungen von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), einen Teil des Netzes nach Ende des S-Bahn Vertrages 2017 auszuschreiben, sieht Wegner mit gemischten Gefühlen. »Junge-Reyer musste Druck auf die Bahn ausüben, da hat sie durchaus Recht. Allerdings macht sich jetzt Angst um die Zukunft der Arbeitsplätze breit«, sagte Wegner. Dennoch sei er zuversichtlich, dass es mit der S-Bahn wieder bergauf gehen werde. »Ich denke, wir werden in einigen Monaten eine Verbesserung spüren, es wird allerdings dauern, bis man vom Normalbetrieb reden kann.«

Derzeit sind rund 300 von 630 Viertelzügen unterwegs. Grund zur Entwarnung gibt es trotz Personal- und Werkstatt-Aufstockung noch nicht, im Gegenteil. »Wegen des erwarteten Schneesturmes am Wochenende wird noch einiges auf uns zukommen«, befürchtet Wegner. Ob und wie die Fahrgäste für diese Unberechenbarkeiten entschädigt werden sollen, wusste Buchner noch nicht. In erster Linie gehe es darum, mehr Züge wieder ins Rollen zubringen.

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