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Kämpfer für Frieden in Honduras?

Silvia Ayala zum Deutschlandbesuch von Kardinal Oscar Rodríguez / Die Rechtsanwältin wurde 2005 für die linke Demokratische Vereinigung (UD) ins Parlament von Honduras gewählt

Fragwürdig: Kämpfer für Frieden in Honduras?

ND: Bis Montag dieser Woche befand sich der honduranische Kardinal Oscar Rodríguez auf Einladung des Bistums Münster mehrere Tage lang in Deutschland. Der CDU-Kulturdezernent der Stadt Duisburg, Karl Janssen, bezeichnete den Kirchenfunktionär als »Kämpfer für Frieden und Demokratie«. Können Sie das verstehen?
Ayala: Nein, und ich halte diese Einladung für eine Schande. Kardinal Rodríguez ist ganz sicher nicht der beste Bezugspunkt, wenn es um die wahre christliche Doktrin geht. Als ihn das Volk von Honduras in den vergangenen sechs Monaten am meisten gebraucht hat, schwieg er nicht nur zu Repression und systematischen Menschenrechtsverletzungen. Er hat die schwere politische Gewalt von Seiten des Putschregimes sogar gerechtfertigt. Und er hat geleugnet, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen werden, obgleich hunderte Berichte von Menschenrechtsorganisationen das Gegenteil belegen. All diese Berichte bestätigen Dutzende politische Morde, Folter und die Inhaftierung hunderter Regimegegner. Vor wenigen Wochen sollte der Kardinal in Paris die Ehrendoktorwürde des Institut Catholique erhalten. Dieser Versuch, seinen Ruf aufzubessern, ist nach vielfältigen Protesten gescheitert.

Wie wird die politische Rolle von Rodríguez als Vorsitzender der honduranischen Bischofskonferenz in Honduras gesehen?
Kardinal Rodríguez genießt in der Bevölkerung keinen Rückhalt mehr. Auch innerhalb der Kirchenhierarchie ist viel Kritik gegen die Unterstützung der Putschisten durch den Kardinal laut geworden. Immerhin gibt es auch Geistliche, die an den Demonstrationen des Widerstands teilnehmen. Auch das zeigt, dass Kardinal Rodríguez nicht für die gesamte Kirche unseres Landes spricht.

Am 27. Januar soll der Konservative Porfirio Lobo die Macht in Honduras von Diktator Micheletti übernehmen. Wie wird sich die Lage Ihrer Ansicht nach entwickeln?
Es ist die zweifelhafteste Regierungsübernahme seit der Rückkehr Honduras' zu einem System scheinbar demokratischer Wahlen. Als ich vor einigen Tagen nach Deutschland abgereist bin, hatten gerade einmal acht Staaten ihre Teilnahme an der Zeremonie zugesagt. Die Mehrheit der internationalen Gemeinschaft hält an ihrer demokratischen Position fest und erkennt das Ergebnis der Wahlen, die Ende November unter der Kontrolle der Diktatur stattgefunden haben, nicht an.

Was erwarten Sie von der deutschen Regierung?
Nicht nur Deutschland, die gesamte Europäische Union muss an ihrer kritischen Position gegenüber den Putschisten festhalten. Dieses Thema betrifft schließlich nicht nur Honduras. Wenn das Putschistenregime oder die neue Regierung anerkannt würde, könnte der Putsch in Honduras zu einem gefährlichen Präzedenzfall werden. Auch andere demokratische Regierungen wären dann von militärischen Umstürzen bedroht.

Wie wird die Widerstands- und Demokratiebewegung weitermachen?
Der Widerstand ist weiter aktiv. Aber die Rahmenbedingungen haben sich nach den Wahlen Ende November verändert. Am 6. Januar haben gut 15 000 Menschen an der ersten Demonstration der Widerstandsfront gegen den Staatsstreich teilgenommen. Die Teilnehmer protestierten gegen die angestrebte Institutionalisierung des Putschregimes und gegen den geplanten Austritt aus dem Staatenbund ALBA, der Bolivarischen Alternative für Amerika. Die honduranische Volksbewegung wird auf jeden Fall Teil der ALBA bleiben.

Interview: Harald Neuber

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