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Der Neue

Dietmar Schwarz wird Intendant der Deutschen Oper Berlin

Der Intendanten-Sessel der Deutschen Oper Berlin war einmal etwas Besonderes. Beim Star- und Welttheater in der einstigen Frontstadt spielten die Kosten keine Rolle. Heute, im vereint hochverschuldeten Berlin, hat er Schleudersitzqualitäten. Nach Götz Friedrich ist keiner darauf mehr so recht glücklich geworden. Der aus Leipzig kommende, ambitioniert intellektuelle Komponist Udo Zimmermann nicht und erst Recht nicht die mit Kieler Lorbeeren versehene, seither vor allem als glücklos apostrophierte Regisseurin Kirsten Harms, die das Haus 2011 verlassen wird.

Die spannende Frage, wer Harms' Nachfolger wird, ist jetzt beantwortet. Es ist der 52-jährige Baseler Operndirektor Dietmar Schwarz. Für den studierten Literatur- und Theaterwissenschaftler mit praktischer Erfahrung als Dramaturg in Freiburg, Bremen und an der Oper in Frankfurt am Main, dann als langjähriger Operndirektor am Nationaltheater Mannheim und seit 2006 in Basel, war vor allem die letzte Saison die beste denkbare Bewerbung. Da nämlich wurde »seine« Baseler Oper aus guten Gründen zum Opernhaus des Jahres gekürt. Schwarz hat mit Regisseuren wie Kosky, Bieito, Neuenfels Marthaler und Stölzl stets Flagge gezeigt und sie mit verschiedenen Dirigenten und Orchestern zusammengebracht. Auch bei der Auswahl der Stücke war er nicht ängstlich.

In Basel ist diese Rechnung aufgegangen. Übertragen lässt sich das Rezept auf das Berliner Haus allerdings nicht. In Sachen szenischer Ambition hat die Komische Oper (zum Teil mit den gleichen Regisseuren wie in Basel) bislang jedenfalls eindeutig die Nase vorn. Und dem Opernroutinier Jürgen Flimm als Compagnon des Publikumsmagneten Daniel Barenboim auf ihrem Weg durch die Umbaujahre der Lindenoper mit dem immer noch angeschlagenen Tanker Deutsche Oper hinterherzutuckern, macht nicht viel Sinn. Mit ihren Auslastungszahlen (gerade wurden 68,8 Prozent fürs Jahr 2009 vermeldet) kommt die Deutsche Oper derzeit zwar nicht annähernd an die Lindenoper heran, liegt aber deutlich über der Komischen Oper, die ihren Besuchermangel aber durch künstlerischen Wagemut ausgleichen kann.

Für den politischen finanziellen Teil seiner neuen Aufgabe hat Schwarz in dem jahrelangen Kampf mit den knickrigen eidgenössischen Kassenwarten eine gute Schule hinter sich. Seine größte Herausforderung aber wird in der Entwicklung eines künstlerischen Profils liegen, das er freilich jenseits seines Baseler Konzepts entwickeln muss. Eine Erfahrung aus der Ära von Kirsten Harms besteht darin, dass sich das nicht gegen den Orchesterchef eines solchen Hauses machen lässt. Wie sich die strategische Zusammenarbeit mit Donald Runnicles gestaltet, das wird die erste große Herausforderung werden. Man kann dem designierten neuen Intendanten nur wünschen, dass er sich dabei nicht vor der Zeit kaputtspielen lässt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit jedenfalls war zufrieden, gestern mit Schwarz »eine exzellente Lösung« präsentieren zu können. Ab 2012 soll der die Leitung des Hauses übernehmen. In der intendantenlosen Spielzeit 2011/12 wird die Oper kommissarisch vom Generalmusikdirektor, dem Kaufmännischen Geschäftsführer und dem Operndirektor geführt. Dietmar Scharz erhält einen Vertrag bis 2017.

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