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Knappe Niederlage für Gegner von Ernst Moritz Arndt

Erste Urabstimmung an Greifswalder Uni: Studierende wollen auf Namenspatron nicht verzichten

  • Von Velten Schäfer, Schwerin
  • Lesedauer: 2 Min.

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49 gegen 43 Prozent – unter den Studierenden der Greifswalder Uni hat sich keine Mehrheit gegen den Namenspatron Ernst Moritz Arndt ergeben. Die Debatte geht aber weiter – und letztlich entscheidet der Senat der Universität.

Es ist knapp geworden, doch gegen 17 Uhr stand das vorläufige Ergebnis der ersten Urabstimmung der Greifswalder Uni-Geschichte fest: Etwa 1400 der 12 000 Studierenden wollen nicht, dass die Uni den Namen »Ernst Moritz Arndt« ablegt. Nur rund 1200 haben dafür gestimmt. Bei einer für studentische Wahlen bemerkenswerten Beteiligung von 23 Prozent konnten sich die Arndt-Gegner nicht durchsetzen. »Das Ergebnis ist trotzdem toll, wahrscheinlich wollten viele keine Uni ganz ohne Namenspatron«, deutete Sebastian Jabbusch, Frontmann der Arndt-Gegner, via Twitter das Votum: 43 Prozent Ja, 49 Prozent Nein. Zuletzt hatte sich der »Wahlkampf« um den Uni-Namen stets verschärft – und den Campus verlassen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund etwa hat sich unlängst eingemischt; DGB-Nord-Chef Peter Deutschland brachte sogar einen Namen ins Gespräch: Den Schriftsteller Wolfgang Koeppen, der 1906 in Greifswald auf die Welt kam und 1996 in München verstarb. Koeppen, der in Westdeutschland vor allem mit der »Trilogie des Scheiterns« bekannt wurde, einer kritischen Bestandsaufnahme der entstehenden Bundesrepublik, kann als Gegner des Naziregimes gelten, obwohl er den Zweiten Weltkrieg in München verbrachte und sich mit Drehbüchern über Wasser hielt.

Auch in der Greifswalder Bürgerschaft meinten zum Schluss viele, zu dem »Fall« eine Meinung haben zu müssen, obwohl der Universitätsname kein Thema der Lokalpolitik ist. Die CDU zum Beispiel hatte beschlossen, es gebe keinen Grund für eine Distanzierung. Ansonsten, dozierte Fraktionschef Axel Hochschild, sollten sich die Studierenden auf das Studieren konzentrieren. Wer Bedarf an Politik habe, »findet sicherlich jederzeit beim Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) ein offenes Ohr«.

Zu einer Positionierung der Stadtväter ist es bisher aber nicht gekommen. Für den umstrittenen Patron hat sich wiederholt der FDP-Mann Sebastian Ratjen ausgesprochen. Die Grünen wollten die Position der Mehrheit respektieren. Die SPD war unentschieden – wie auch die örtliche Linkspartei. »Wir sprechen in dieser Sache nicht mit einer Stimme«, sagt deren lokaler Geschäftsführer Marian Kummerow. Während sich der parteinahe Jugendverband »solid« klar gegen Arndt ausgesprochen hat, sind in der Fraktion die Meinungen gespalten. »Wir sehen natürlich die problematischen Aspekte«, so Kummerow. Es gebe in Partei und Fraktion aber auch die Position, »Arndt und seine Leistungen in seiner Zeit zu sehen«. Weitergehen soll die Debatte dennoch. Schon am kommenden Mittwoch ist wieder eine öffentliche Anhörung an der Universität geplant, deren Senat letztendlich entscheidet. Jeder soll etwas sagen dürfen. Das wäre dann wenigstens ein geeignetes Ventil, den Druck der Aufregung der letzten Wochen abzulassen.

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