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Stichwahl Janukowitsch – Timoschenko

Präsidentenwahl in der Ukraine geht am 7. Februar in zweite Runde / Aus für Juschtschenko

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.

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Experten hatten eine Stichwahl prophezeit, noch bevor bei den Präsidentenwahlen in der Ukraine am Sonntag der erste Stimmzettel in die Urnen flog. Keiner der insgesamt 18 Bewerber vereinigte beim ersten Anlauf jene 50 Prozent plus eine Stimme auf sich, wie sie für das höchste Staatsamt erforderlich sind.

Für Viktor Janukowitsch, den Führer der oppositionellen Partei der Regionen, stimmten demzufolge 35,4 Prozent. Seine Rivalin Julia Timoschenko, derzeit Regierungschefin, kam auf knapp 25 Prozent, der ehemalige Notenbankchef Sergej Tigipko sammelte 13 Prozent ein. So jedenfalls der Stand nach Auszählung von über 95 Prozent aller abgegebenen Stimmen.

Internationale Wahlbeobachter sprachen übereinstimmend von fairen und freien Wahlen ohne nennenswerte Vorkommnisse. Davon, so kritische Medien in Russland, zeuge auch die breite Streuung der Stimmen und das miese Ergebnis von Amtsinhaber Viktor Juschtschenko. Er landete mit knapp 5,5 Prozent lediglich auf Platz 5, noch hinter dem ehemaligen Parlamentspräsidenten Arseni Jazenjuk (knapp 7 Prozent). Der KP-Vorsitzende Petro Simonenko erhielt als Sechstplatzierter 3,5 Prozent der Stimmen. Gut 2 Prozent der Wähler stimmten »gegen alle«. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 67 Prozent.

Der Ausgang der am 7. Februar stattfindenden Stichwahl zwischen Janukowitsch und Timoschenko ist höchst ungewiss. Zwar haben die Kandidaten des einstigen »orangen« Lagers zusammen rein rechnerisch eine Mehrheit von immerhin 60 Prozent eingefahren. Diese geschlossen auf Timoschenko einzuschwören könnte jedoch – wieder einmal – an Rivalitäten der hoffnungslos zerstrittenen Gruppierungen und den Profilierungsneurosen ihrer Führer scheitern. So hatte Tigipko, der Drittplatzierte, den mehrere Meinungsforschungsinstitute auf der Zielgeraden des Wahlkampfs sogar an Timoschenko vorbeiziehen sahen, die derzeitige Regierungschefin schon abblitzen lassen, noch bevor sie am Montag offiziell Bereitschaft zu Bündnisverhandlungen ankündigte. Er, so Tigipko gleich nach den ersten Hochrechnungen in der Wahlnacht, werde niemanden zu nichts aufrufen. Die Bürger seien mündig und müssten selbst entscheiden.

Um die 25 Prozent tun sich damit jedoch extrem schwer. Beim Kampf um ihre Herzen und Hirne werden sich Janukowitsch und Timoschenko einen erbitterten Wettbewerb liefern. Entscheidend für dessen Ausgang dürften Charisma und andere persönliche Qualitäten der Kontrahenten sein. Denn ihre Programme unterscheiden sich nur in Nuancen: Janukowitsch will beim Streit um das Schicksal der auf der Krim stationierten russischen Schwarzmeerflotte unliebsame Folgen für Kiew wie für Moskau vermeiden. Timoschenko ist gegen russische Truppenpräsenz, aber auch gegen die von NATO-Einheiten, und will den von Janukowitsch abgelehnten Beitritt der Ukraine zum Militärpakt von einem Volksentscheid abhängig machen. Auch peilen beide eine strategische Partnerschaft mit den USA und der EU an, setzen parallel dazu jedoch auf Verbesserung des Verhältnisses zu Russland, das seit der »Revolution der Orangen« vor fünf Jahren nachhaltig gestört ist. Auch Timoschenkos unterlegene Mitbewerber buhlten mit dem Versprechen besserer Beziehungen zu Moskau um Wählerstimmen, stärkten damit jedoch unfreiwillig Janukowitsch den Rücken, der das Thema längst besetzt hatte.

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