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Nicht lockerlassen!

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 2 Min.

Anton Schlecker ist der verhassteste Unternehmer der Republik. Noch vor Kurzem hätte er sich so viele Negativschlagzeilen und Kritik auch aus bürgerlichem Munde nicht träumen lassen. Hals über Kopf hat er seine Leiharbeitsfirma Meniar in Zwickau geschlossen und ihren Internetauftritt gekappt.

Dass der in Verruf gekommene Schlecker gelobte, ab sofort für seine XL-Märkte keine Leiharbeiter mehr über Meniar anzuheuern, ist Folge des massiven Drucks, den mutige Verkäuferinnen, Betriebsräte und ihre Gewerkschaft ver.di seit einem Jahr aufgebaut haben. Mit beharrlichem Einsatz erreichten sie eine Solidarisierung und ein öffentliches Echo, dem sich auch konservative Medien und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen nicht entziehen konnten. Wo der Widerstand wuchs, wurden Kündigungen verhindert. Schleckers ruiniertes Ansehen ließ offenbar auch die Umsätze in den XL-Märkten spürbar einbrechen.

All dies zeigt: Gewerkschaften können auch unter Schwarz-Gelb etwas anstoßen, und zwar nicht durch höfliche Diplomatie mit der Politik, sondern durch Mobilisierung und Bündnisarbeit. Nun könnten sich auch in bisher »betriebsratsfreien« Schlecker-Regionen Betriebsräte bilden. Viele Verkäuferinnen fürchten jedoch weiter um ihre Existenz.

Der Schlecker-Skandal hat die Spaltung im Arbeitgeberlager gefördert. »Schlecker hat es geschafft, unsere Branche in ein schlechtes Licht zu rücken«, klagt Ludger Hinsen vom Bundesverband für Zeitarbeit (BZA). Er blicke »mit Sorge darauf, was der Politik dazu einfällt«, kommentierte er die neu aufgeflammte Diskussionen über strengere Regeln.

Hinsen weiß, dass Zustände wie bei Schlecker/Meniar kein Einzelfall sind und auch bei anderen Handels- und Industriebetrieben zum Alltag gehören. Seine Sorgen um die Zukunft einer weitgehend überflüssigen Branche sollten für die Gewerkschaften Ansporn sein, um die Dynamik der Schlecker-Kampagne weiter zu treiben.

Die in den vergangenen zehn Jahren beschlossene Liberalisierung der Arbeitnehmerüberlassung hat Gewerkschaften und Betriebsräte geschwächt und einige Profiteure reicht gemacht. Diese Missstände müssen behoben werden.

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