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»Haus der Statistik« wird ausgezählt

Neues Quartier am Rand des Alexanderplatzes / Ein Stück DDR-Geschichte verabschiedet sich

Das Haus ist inzwischen eingezäunt.
Das Haus ist inzwischen eingezäunt.

Getrost kann man das Gebäude an der Karl-Marx-Allee / Ecke Otto-Braun-Straße einen städtebaulichen Schandfleck nennen. Das ehemalige »Haus der Statistik« am Alexanderplatz verschreckt durch sein ruinöses Erscheinungsbild. Doch das soll sich ändern. Für das Areal gibt es eine neue städtebauliche Planung. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat ein konkurrierendes städtebauliches Gutachterverfahren durchgeführt und präsentiert seit gestern die Entwürfe von vier Berliner Architekturbüros in einer Ausstellung.

Eine Zukunft für den 1970 errichtete Bürobau, in dem zu DDR-Zeiten die Staatliche Zentralverwaltung für Statistik ihren Sitz hatte, wird es nicht geben. Der »Natascha«-Laden, in dem DDR-Bürger Erzeugnisse aus der Sowjetunion kaufen konnten, oder das Jägerei-Fachgeschäft »Suhler Jagdhütte«, in dem man sich mit Ferngläsern, Flinten und Hirschfängern ausrüsten konnte, hat längst dicht gemacht. Und auch die Berliner Außenstelle des Statistischen Bundesamtes und die Zentralstelle der »Birthler-Behörde« als Nachwende-Nutzer sind ausgezogen. Nun wird eine Neubebauung vorbereitet.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat dazu ein städtebauliches Gutachterverfahren durchgeführt, dessen Ergebnisse jetzt in einer Ausstellung zu sehen sind. Der prämierte Entwurf des Büros Augustin und Frank Architekten lieferte die geforderte hohe Bandbreite an Gebäudetypologien und beantwortete die zentrale Wettbewerbs-Frage nach der räumlichen Vernetzung des Plangebiets mit dem angrenzenden Wohngebiet an der Karl-Marx-Allee am überzeugendsten. Der lange Gebäuderiegel an der Otto-Braun-Straße wird in mehrere Blöcke aufgebrochen. Einen reinen Bürostandort wird es nicht mehr geben, sondern ein Nutzungsmix aus Einzelhandel, Büros, Hotels und einem hohen Wohnanteil. Zwei 11- und 15-geschossige Punkthäuser auf der Rückseite leiten zur offenen Bauweise des angrenzenden Wohngebiets über und sollen fast ausschließlich dem Wohnen dienen. An der Ecke Karl-Marx-Allee schließt ein 13-stöckiges Büro- und Hotelhochhaus das Gebiet an den Alex an, es ragt aus einem viergeschossigen Sockelbau heraus, der die Bauflucht der alten Landsberger Straße wieder aufnimmt. Die ist bereits heute am Haus der Gesundheit erkennbar.

Frühere Planungen sahen vor, sie quer durch das Plattenbaugebiet wieder zur Landsberger Allee zu führen. Jetzt soll sie nur mit »landschaftsgestalterischen Mitteln« wiederhergestellt werden, als grüne Promenade für Fußgänger und Radfahrer, wie Manfred Kühne von der Stadtentwicklungsverwaltung sagte. Der radikale Ansatz des Planwerks Innenstadt von 1998, der eine starke städtebauliche Überformung des Gebiets mit der radialen Struktur der alten Königsstadt vorsah, sei aufgegeben worden, sagte Kühne. Auch der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses im Abgeordnetenhaus, Thomas Flierl (LINKE), ist zufrieden. Schon als Baustadtrat von Mitte hatte er sich für den Erhalt der Ost-Moderne an der Karl-Marx-Allee eingesetzt.

Wann sich die Kräne drehen, ist allerdings ungewiss. Noch sind der Bund und das Land Berlin als Eigentümer der Immobilie auf Investorensuche, auch ein Bebauungsplan muss durch den Bezirk Mitte erst aufgestellt werden.

Ausstellung bis 6. Februar im Lichthof der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Am Köllnischen Park 3, mo. bis sa. 10 bis 18 Uhr.

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