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Geschändet

Man stelle sich vor, das Holocaust-Mahnmal in Berlin wird von einem großen Zelt überspannt. Starmodel Eva Padberg sitzt auf einer Stele, lässt ihre langen Beine baumeln und sich in der neusten Haute Couture von Lagerfeld bewundern. Stardesigner Wolfgang Joop drapiert einen anderen Stein für die ermordeten Juden mit hauchzarten Damenstrümpfen aus seiner Kreation. Prominente in Champagnerlaune diskutieren in der Gedenkstätte den »letzten Schrei« und klatschen und tratschen über Seitensprünge und Scheidungen ihrer Rivalen im Scheinwerferlicht. Und die eine Entertainerin und der andere Schauspieler lallen feuchtfröhliche Statements zu ihrem Befinden vor laufender Kamera in die Mikrofone. Undenkbar?

Auf dem Bebelplatz, wenige Kilometer entfernt, kennt man keine Scham. Trotz Protesten fand dort wieder die Fashion Week statt. Das dortige Denkmal für die verbrannten Bücher wurde erneut vergewaltigt. Geschändet! Wenige Tage vor dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, zu denen die Autoren (jüdische wie nicht-jüdische) der Werke gehören, die 1933 in der Reichshauptstadt und reichsweit mit teutonischem Gebrüll in lodernde Scheiterhaufen geworfen wurden. Dumm, dreist, despektierlich? Das wären harmlose Etikette für solch brutale Entweihung eines (nicht minder wertigen) Erinnerungs- und Mahnortes. Denn: »Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.« (Heinrich Heine)

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