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Störfaktor Umweltschutz

Ein Dorf im Müritz-Nationalpark wehrt sich gegen Einschränkungen für Bürger und Urlauber

  • Von Winfried Wagner, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg) will die Verwaltung Teile des Useriner Sees sperren, Wind- und Kitesurfen sollen verboten werden. »Das ist für Anwohner und die wirtschaftliche Entwicklung nicht akzeptabel«, sagt Userins Vizebürgermeister.

Userin. Im Müritz-Nationalpark gibt es Streit um zahlreiche von der Verwaltung geplante Einschränkungen für den Useriner See. »Wir werden Einspruch gegen die Verfügung erheben«, sagt Userins Vizebürgermeister Christian Lüdke. Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Parkverwaltung Teile des vier Kilometer langen Sees sperren, Wind- und Kitesurfen verbieten und die Zahl der Segelboote begrenzen will.

»Das ist für Anwohner und die wirtschaftliche Entwicklung nicht akzeptabel«, sagte Lüdke. Der Tourismus sei ein wichtiges Standbein für die Gemeinde mit ihren rund 700 Einwohnern, die als touristischer Geheimtipp gilt und an der Wasserwanderstrecke »Obere Havel« liegt.

Anlass für die Aufregung ist eine »Allgemeinverfügung«, die das Nationalparkamt nach »zweijährigem Diskussionsprozess« mit der Gemeinde, einer Bürgerinitiative und Ämtern getroffen habe, betont Nationalparkleiter Ulrich Meßner in einer Mitteilung des Amtes. Demnach sollen der Nordteil des Sees und ein kleineres Gebiet am Westufer völlig gesperrt werden, insgesamt ein Siebtel des Sees. Dies sei nötig, weil »Störungen der Tier- und Pflanzenwelt minimiert werden müssten«. So brüteten die Große Rohrdommel und Haubentaucher im Schilf, »in der Nähe des Nordufers« brüte zudem der Seeadler. Ursprünglich hätten noch größere Flächen gesperrt werden sollen. »Mit den Regelungen ist das Amt den Nutzern so weit wie möglich entgegengekommen«, erklärt Meßner.

Was sich sorgfältig ausformuliert wie ein Kompromiss anhören soll, ist für Lüdke unverständlich: »Das ist doch immer die gleiche Salami- Taktik.« So drohe das Amt zunächst mit völliger Gewässersperrung, um dann nach und nach langjährigen Anwohnern und Nutzern »scheibchenweise wieder etwas zuzugestehen«.

Badestelle aufgegeben

Userin war schon vor 1990 für unberührte Natur und seinen See bekannt. Tausende Kinder erholten sich in Ferienlagern und auf Zeltplätzen, wie Alexander Große aus Thüringen berichtet. In Internetforen diskutieren die Feriengäste von einst, meist aus Thüringen und Sachsen, wie es sie immer wieder nach Userin zieht. Wo das Lager war, wurde eine Ferienhaussiedlung errichtet, es gibt einen Campingplatz und auch noch einen Dorfladen. Viele Leute vermieten Zimmer. »Zu uns kommt ein überschaubarer Kreis von Erholungsuchenden, es sind vor allem Naturliebhaber«, erklärt Lüdke. Denen müsse man Perspektiven bieten. Darunter seien eben auch Surfer. So habe am Nordufer des Sees schon ein Campingplatz und eine Badestelle aufgegeben werden müssen. Zudem würde der See für Angler weniger attraktiv.

Ähnliche Erfahrungen wie die Useriner haben auch andere Gemeinden im Müritz-Nationalpark, der 2010 sein 20-jähriges Bestehen feiern will, gemacht. »Wir artikulieren die Bedürfnisse der Einwohner, aber die finden sich bei Festlegungen des Amtes nicht immer wieder«, drückt es der Bürgermeister von Kargow (Müritzkreis), Manfred Schlüter, vorsichtig aus. So habe das Umweltministerium, zu dem das Nationalparkamt gehört, auch schon die Privatisierung des Specker Schlosses um Jahre verzögert, das nun verfällt.

Schlüter spricht auch für die Arbeitsgemeinschaft der Nationalparkdörfer. »Man muss mächtig aufpassen, immer auch das Kleingedruckte lesen«, lautet seine Erfahrung. So habe man nahe dem Ort Schwarzenhof eine Wiedervernässung gerade noch aus dem Nationalparkplan streichen können. Das wäre sonst schwierig geworden für die dortigen Einwohner.

Streit um Streusalz

Die Useriner sind deshalb fest entschlossen, ihre Anliegen weiter durchzubringen. »Wenn der Einspruch nicht reicht, denken wir auch über ein Klage nach«, sagte Lüdke. Sonst – da sei er sicher – drohten in den nächsten Jahren weitere Einschnitte. Ein Beispiel dafür bietet der derzeitige Winter. So streiten sich Nationalparkverein und der Landkreis gerade wieder darüber, ob bei Glätte Salz gestreut werden darf, damit die Einwohner aus den Orten kommen.

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