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Verheerendes Echo für Tony Blair

Ohne Reue vor dem Irak-Ausschuss

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 2 Min.

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Für seinen Auftritt vor dem Irak-Untersuchungsausschuss hat Ex-Premierminister Tony Blair am Wochenende ein verheerendes Presseecho geerntet. Die »Daily Mail« sah einen »Mann, der seine eigenen Wahrheiten schafft«. Der »Independent« meinte: »Reuelos und selbstbewusst: Herr Blair zieht keine Lehren.« Und der Londoner »Guardian« urteilte: »Es gibt einen Planeten, fern der Realität, auf dem lebt Tony Blair.«

»Blair angeklagt«, schrie das Londoner Boulevardblatt »Evening Standard« vor der Anhörung. Die Angehörigen von 179 in Irak umgekommenen britischen Soldaten, die 300 Friedensdemonstranten vor der Londoner Queen Elizabeth Hall, die Familien von Hunderttausenden unschuldiger, toter irakischer Zivilisten, Völkerrechtsexperten und Normalbürger – viele hätten es gern so. Kollegen wie Jack Straw, Außenminister beim Kriegsausbruch 2003, Insider wie der damalige britische Botschafter in den USA oder Juristen des Außenministeriums hatten sich im Vorfeld der Untersuchung von Blair losgesagt. Doch ist der Ausschuss kein Gericht und sein Vorsitzender Sir John Chilcot weder Richter noch Staatsanwalt. So legte sich auch Blairs anfängliche Nervosität schnell.

Also noch ein Mal ein kräftiges Ja zum Regimewechsel, auch ohne Massenvernichtungswaffen würde ich’s wieder tun, hatte Blair schon im Dezember getönt. Dann langes, folgenloses Geplänkel um die nicht existierenden irakischen Massenvernichtungswaffen. Im Vorwort des Geheimdienstdossiers schrieb Blair damals, Saddam besitze zweifellos solche Waffen, könne sie sogar binnen 45 Minuten einsetzen. Blair heute treuherzig: Das haben seinerzeit alle geglaubt. Hätte man vielleicht den Waffeninspektoren mehr Zeit geben sollen, wie von Franzosen und Russen im UN-Sicherheitsrat gefordert? Die Antworten blieben vage oder ganz aus.

Blair hat offensichtlich nichts gelernt. »Der 11. September war kein Angriff auf Amerika, sondern auf uns.« Falsch. Es war eine schlimme Terroraktion, aber New York und Washington befinden sich nicht in Blairs altem Wahlkreis. »Wir wollten den Amerikanern Solidarität zeigen, wie sie uns während Hitlers Bombenangriffen.« Dann hätten die Briten eigentlich zwei Jahre neutral bleiben sollen, bis ihnen Saddam Hussein selber den Krieg erklärte, wie Hitler den USA nach Pearl Harbor. »Es galt, unseren Einfluss in den USA zu stärken.« Welchen Einfluss hatte Vasall Blair denn auf Lehnsherrn Bush? Keine Einsicht, keine Reue – die alte Leier.

Die Eltern toter Soldaten ließen vor dem Gebäude ihren Gefühlen freien Lauf. »Warum starb unser Sohn in einem illegalen Krieg«, fragte eine Mutter verzweifelt. Die Angehörigen des von britischen Soldaten gefolterten und erschlagenen Hotelempfangschefs Baha Moussa blieben in Basra, hätten jedoch dieselbe Frage stellen können.

Nach sechs Stunden dann konnte Blair gehen. Um in neuer Funktion dem Nahen Osten Frieden zu bringen. (Nur weiß dort keiner davon.) Und um vor distinguiertem Publikum Vorträge zu halten. Bei seinen Preisen hätten ihm diese sechs Stunden vor dem Irak-Untersuchungsausschuss 720 000 Dollar eingebracht.

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