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Frauenrechte in Mexiko?

Yesica Sánchez: Der Staat unternimmt nichts gegen den Feminizid

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Yesica Sánchez ist Anwältin und arbeitet bei der Organisation Consorcio (Gemeinschaft für Dialog und Gleichheit) in Oaxaca, Mexiko.Yesica Sánchez ist Anwältin und arbeitet bei der Organisation Consorcio (Gemeinschaft für Dialog und Gleichheit) in Oaxaca
Yesica Sánchez ist Anwältin und arbeitet bei der Organisation Consorcio (Gemeinschaft für Dialog und Gleichheit) in Oaxaca, Mexiko.Yesica Sánchez ist Anwältin und arbeitet bei der Organisation Consorcio (Gemeinschaft für Dialog und Gleichheit) in Oaxaca

ND: Ihre Organisation hat eine Studie zu den Frauenmorden (Feminiziden) in Oaxaca veröffentlicht. Wie würden Sie dieses Phänomen erklären?
Sánchez: Der Feminizid ist ein hochaktuelles Problem in mindestens acht von 32 Bundesstaaten Mexikos, darunter Oaxaca. Er wird als ein Verbrechen des Staates betrachtet und umfasst einen Komplex von Handlungen und Nichthandlungen. Der Staat müsste Programme initiieren und Gesetze ändern, um die Frauen zu schützen. Da der Staat die Verantwortlichen aber nicht bestraft, werden Frauen Opfer von Gewalt und Vergewaltigung bis hin zu Mord. Dadurch wird eine Dynamik der Straflosigkeit geschaffen. Wenn die Aggressoren wissen, dass nicht einmal einem Mörder etwas passiert, fühlen sie sich ermutigt, weitere Gewalt gegen die Frauen auszuüben.

Wer ist hauptsächlich verantwortlich?
Es wurde mehrfach bestätigt, dass der Gouverneur von Oaxaca, Ulises Ruiz, der Kongress und die Gerichte verantwortlich sind. Sie agieren als Störfaktoren oder Komplizen, statt zu helfen. Es wurden beispielsweise Täter freigelassen, die ihre Frauen umgebracht oder ihre Töchter vergewaltigt hatten. Das autoritäre Regime in Oaxaca kriminalisiert also nicht nur soziale Aktivisten, lässt nicht nur Oppositionelle »verschwinden« und verfolgt nicht nur die Menschenrechtsverteidiger, sondern lässt die Gewalt gegen die Frauen einfach zu und unternimmt nichts, um sie zu beenden.

Wie steht es um das Recht auf Abtreibung in Mexiko?
Wir erleben in Mexiko einen umfassenden Rückschlag, was die mühsam erkämpften Rechte der Frauen angeht. Wir erleben eine regelrechte Attacke der politischen Rechten gegen die Frauenrechte und den laizistischen Staat. Auch die Kirchenhäupter treiben diese Entrechtung der Frauen voran. Vor zwei Jahren wurde in Mexiko-Stadt eine Reform durchgesetzt, die die Abtreibung entkriminalisiert hat. Dies war ein Schlag gegen die mexikanische Rechte. Sie hat dies nie als einen bedeutenden Fortschritt für die Frauen gesehen und in diversen Bundesstaaten Mexikos Gesetzesinitiativen auf den Weg gebracht, mit dem Ergebnis, dass die Abtreibung heute in 19 von 32 Bundesstaaten bestraft wird, sogar im Fall von Vergewaltigung. Es gibt sogar Fälle von Frauen, die im Gefängnis unfallbedingt ihr Kind verloren haben und daraufhin des Mordes angeklagt wurden.

Wie reagieren die organisierten Frauen und die feministischen Organisationen auf diese Zumutungen?
Mexikoweit wurden verschiedene Bündnisse von Anwältinnen und Aktivistinnen aufgebaut, die die Frauenbewegungen koordinieren, um eine föderale Verfassungsreform zu verhindern und die neuen Regelungen in verschiedenen Bundesstaaten rückgängig zu machen. Consorcio, die Organisation in der ich arbeite, verfolgt mehrere Strategien. Wir erarbeiten und publizieren Berichte zum Thema und wir vernetzen uns mit anderen Organisationen. Außerdem arbeiten wir mit Frauen in indigenen Gemeinden der Mixe-Region zusammen. Sie werden juristisch ausgebildet und später übernehmen diese Rechtsexpertinnen die Unterstützung anderer Frauen aus der Region. Wir arbeiten auch mit Jugendlichen und Männern, die dem Thema allerdings immer noch reserviert gegenüber stehen.

Die internationale Gemeinschaft möchten wir aufrufen, die Ereignisse in Mexiko aufmerksam zu verfolgen und sich wenn nötig an Protestaktionen gegen die Ungerechtigkeit in Mexiko zu beteiligen.

Fragen: Luz Kerkeling

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