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Vom Bürgermeister zum Oberbürgermeister

Am 14. März wird das Frankfurter Stadtoberhaupt gewählt / Die LINKE schickt Landtagsfraktionsvize Ludwig ins Rennen

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die SPD nominiert den parteilosen Martin Wilke als neuen Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) und SPD-Bürgermeisterin Katja Wolle probiert es auf eigene Faust. Die LINKE schickt Landtagsfraktionsvize Stefan Ludwig ins Rennen und beinahe hätte der mit dem Ex-Landtagsabgeordneten Frank Hammer einen Konkurrenten aus den Reihen der Sozialisten bekommen. Das Kuddelmuddel bei der Kandidatenkür fand am Montag ein Ende. Der Wahlausschuss befasste sich mit den Bewerbungen. Wilke, Wolle und Ludwig treten bei dem Urnengang am 14. März an. Zwei Einzelbewerber wurden abgewiesen, weil sie nicht die erforderliche Zahl von Unterstützerunterschriften beibrachten, wie Kreiswahlleiter Eyke Beckmann gestern erklärte.

»Gute Chancen« habe Stefan Ludwig, findet der LINKE-Stadtvorsitzende René Wilke, nicht verwandt mit Widersacher Martin Wilke. Die SPD konnte – anders als die LINKE – ihren Personalkonflikt nicht lösen. Der Wirtschaftsfachmann Wilke, Geschäftsführer des Investor Centers Ostbrandenburg, erhielt zwar das SPD-Ticket für die Oberbürgermeisterwahl und darüber hinaus Rückenwind von CDU und FDP, die sich ebenfalls für ihn aussprechen. Doch Bürgermeisterin Wolle gibt nicht klein bei, und sie ist nur der Form nach eine Einzelbewerberin. Linke Sozialdemokraten unterstützen sie. Kommt es zur Stichwahl Martin Wilke gegen Stefan Ludwig, so könnte das Wolle-Lager zu Ludwig überlaufen, glaubt Stadtparteichef René Wilke.

Die LINKE suchte lange den am besten geeigneten Kandidaten. Im Gespräch war zum Beispiel der Europaparlamentarier Helmuth Markov, der jedoch schließlich Finanzminister wurde. Man dachte sogar daran, Katja Wolle aufzustellen. Doch am Ende fiel die Entscheidung für Stefan Ludwig.

Die Idee, den damaligen Bürgermeister von Königs Wusterhausen zu fragen, hatten die Frankfurter Genossen bereits Anfang 2009. Der Betroffene erfuhr zunächst gar nichts davon, dass sein Name bei den Frankfurtern auf dem Zettel stand. Ludwig hatte seinerzeit andere Pläne. Er sollte auf Wunsch des Landesvorsitzenden Thomas Nord zurück in den Landtag und vielleicht Minister werden oder aber Fraktionschef, falls Kerstin Kaiser in einer rot-roten Regierung ein Ministerium übernimmt. Doch aus diesen Szenarien wurde bekanntlich nichts.

Die LINKE nominierte Ludwig einstimmig zum OB-Kandidaten. Es gab lediglich eine Enthaltung. Frank Hammer möchte dem Genossen nun im Wahlkampf helfen. Dabei wollte er ursprünglich selbst Oberbürgermeister werden. Seine zwischenzeitlich erwogene Einzelbewerbung zog er am Montag aber auch formal zurück. Rein taktisch betrachtet wäre Hammer vielleicht genau der Richtige gewesen, vermutet René Wilke. Der einstige Kulturhausleiter, Jugendsozialarbeiter und Absolvent des Leipziger Literaturinstituts gewann in Frankfurt 1999 und 2004 das Direktmandat für den Landtag. Man kennt ihn in der Stadt besser als den auswärtigen Ludwig.

Dass angesichts der jüngsten Kampagnen die Stasi-Vergangenheit Hammers bei den Überlegungen eine Rolle spielte, bestätigt René Wilke. »Wäre es aber nur die IM-Geschichte gewesen, dann hätte er kandidieren können.« Hammer hatte nie etwas verheimlicht und er war nicht nur Zuträger des Ministeriums für Staatssicherheit, sondern auch Beobachteter. Der Hauptgrund sei gewesen, dass man Hammer als exzellenten Oppositionspolitiker kannte, ihm aber wegen fehlender Erfahrung nicht so recht zutraute, die Geschicke der Stadt zu lenken.

Bei Ludwig besteht da kein Zweifel. Acht Jahre lang leitete er die Stadtverwaltung von Königs Wusterhausen. Diese Kommune zählt immerhin ungefähr halb so viele Einwohner wie Frankfurt (Oder) – wo 64 000 Menschen leben – und auch halb so viele Beschäftigte. René Wilke betont, Ludwig sei alles andere als eine »Verlegenheitslösung«. Das könne man allein an den anderen zugkräftigen Namen sehen, die ebenfalls im Gespräch waren. Der 42-jährige Jurist Ludwig habe sich als die beste Variante erwiesen.

Schneller als die Konkurrenz konnte Ludwig ein ziemlich ausführliches Programm vorlegen. Einer der sechs Abschnitte ist dem Stadtumbau gewidmet. Frankfurt kämpft mit einem Einwohnerschwund und trotzdem mit dem Problem, dass es an bestimmten Wohnungen mangelt, nämlich an kleinen bezahlbaren Quartieren für Senioren. Es dürfe nicht sein, dass Hochhäuser nur deshalb abgerissen werden, weil es ab dem sechsten Obergeschoss 70 Euro statt nur 50 Euro Fördergeld dafür gebe, heißt es. In den nächsten zwei, drei Jahren seien wichtige Entscheidungen für die kommenden Jahrzehnte zu treffen, die sich später nicht mehr korrigieren lassen, erklärt Ludwig. Dabei gehe es etwa um den Stadtumbau, die Kulturförderung und darum, den Haushalt ins Lot zu bringen.

Bis zum Wahltermin fährt Ludwig täglich nach Frankfurt (Oder) und kämpft dort nachmittags und abends um Stimmen. Zwei oder mehr Veranstaltungen pro Tag stehen in seinem Kalender, verrät er. Gewinnt der 42-Jährige die Wahl, so möchte er seinen Hauptwohnsitz in Königs Wusterhausen behalten – wegen seiner vier Kinder, von denen drei dort zur Schule gehen und denen er einen Wechsel nicht zumuten mag. Aber eine Wohnung will sich Ludwig dann in Frankfurt nehmen.

www.einer-fuer-frankfurt.de

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